Südafrika als Land der guten Hoffnung

18. März 2009, 12:14
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Die österreichischen Exporte nach Südafrika gingen 2008 zurück. Eine Wiener Wirtschaftsdelegation besuchte das Land

Johannesburg - Der globalen Wirtschaftskrise entkommt offenbar niemand - die Auswirkungen sind aber nicht überall gleich schlimm. Weil Mittel- und Osteuropa derzeit eher als schwierig gelten, lassen heimische Unternehmen den Blick in die Ferne schweifen: Eine von der Wiener Wirtschaftskammer geführte Delegation hat sich auf den Weg nach Südafrika gemacht, das als "Fels in den Brandungen Afrikas" gilt.

Davon ist jedenfalls der österreichische Handelsdelegierte Stefan Pistauer überzeugt, wie er zum Auftakt des Besuches betonte. Das Land hat mit 48,8 Millionen Einwohnern rund fünf Prozent der Bevölkerung des Kontinents, erwirtschaftet jedoch 23 Prozent des gesamten afrikanischen Bruttoinlandsprodukts. Krisenstimmung ist vorerst kaum zu spüren. "Wir hatten bis dato Glück", hieß es etwa in der Kammer für Handel und Industrie in Johannesburg.

Als einer der Gründe für das relativ stabile Wachstum - es soll 2009 zumindest 1,2 Prozent betragen - wird die strenge Regulierung des Bankensektors genannt. Die Sub-Prime-Krise samt ihren Folgen machte sich kaum bemerkbar. Und laut Pistauer wird derzeit auf das Ende einer anderen, schweren politischen Krise gewartet, nämlich jener im benachbarten Simbabwe. Investitionen und Wiederaufbau sollen dann über Südafrika laufen. Die politischen Entwicklungen sind aber stets unabsehbar: Eine geplante Mission nach Madagaskar hat Pistauer aufgrund der jüngsten Entwicklungen abgesagt.

Investitionen

Stichwort Investitionen: Mehr als 30 namhafte heimische Unternehmen sind auf dem südafrikanischen Markt bereits mit Niederlassungen vertreten, darunter etwa Agrana, Böhler Uddeholm, die Erste Bank, RHI oder das Medizintechnik-Unternehmen AME International. Südafrika ist für die österreichische Wirtschaft der wichtigste Markt auf dem Kontinent. Wobei die Ausfuhren zuletzt von rund 607 Mio. Euro (2007) auf rund 506 Mio. Euro (2008) zurückgegangen sind.

Laut Pistauer hängt dies unter anderem mit den auch in Südafrika bestehenden Problemen der Kfz-Industrie zusammen. Denn die Exporte von der Alpenrepublik nach Südafrika betreffen durchwegs "High-Quality-Products", wie es hieß. Neben der Automobilbranche sind dabei in erster Linie die Sektoren Infrastruktur, Energie, Wasseraufbereitung und Nahrungsmittel von Bedeutung.

"Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten in unseren Nachbarländern müssen wir verstärktes Augenmerk auf die Erschließung neuer Märkte legen", betonte die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank. Südafrika sei stabil, verfüge über zahlreiche Bodenschätze und wachse konstant. Die Kammer werde darum 2009 Südafrika zu einem Schwerpunkt machen, um Wiener Betriebe verstärkt dorthin zu führen.

Und das nicht zuletzt mit Blick auf 2010 - oder "Twenty-Ten", wie das magische Datum im Land am Kap der Guten Hoffnung meist genannt wird. Denn kommendes Jahr ist Südafrika Austragungsort der Fußball-WM. Diese wird bei den Gesprächen der Wiener Delegation, die sich noch bis Sonntag im Lande aufhält, wohl eines der beherrschenden Themen sein. (APA)

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    Johannesburg

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