Luxus wird immer leistbarer

18. März 2009, 12:20
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Preise im freien Fall - "Je größer das Schiff, desto billiger das Bett" - Dubai-Touristen profitierten vom dortigen Wachstumsstopp

Wien - Nur auf den ersten Blick haben Dubai und Kreuzfahrten nichts gemein. Auf den zweiten Blick einte sie bisher Luxus und Dekadenz. Das Emirat am Persischen Golf gilt als die Prestigedestination schlechthin, Kreuzfahrten waren seit jeher etwas für Menschen mit Geld. Doch damit ist jetzt Schluss. Touristiker sprechen vom Dubai- und Kreuzfahrt-Jahr 2009. Der Grund dafür ist banal: Die Preise befinden sich im freien Fall, Luxus wird immer leistbarer. Eine Reise nach Dubai gibt es nun schon ab 700 Euro pro Woche, Kreuzfahrten werden neuerdings sogar in Boulevardmedien beworben.

"Luxus wird demokratisiert", sagt Trendforscher Andreas Reiter. Diese Demokratisierung führe dazu, dass eine breitere Gesellschaftsschicht angesprochen wird. War ein Flat-TV vor einigen Jahren Luxus, sei es heute fast "normal", einen zu besitzen. "Der Luxus von heute ist der Mainstream von morgen", brachte es Reiter auf den Punkt.

Kreuzfahrten schwimmen derzeit angeblich voll auf der Erfolgswelle. Im vergangenen Jahr verbrachten rund 1,3 Millionen Deutsche ihren Urlaub auf dem Wasser. Das entsprach einem Zuwachs von 20 Prozent gegenüber 2007, teilte der Deutsche Reiseverband (DRV) auf der weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin mit. Eine derartige Statistik für den österreichischen Markt gibt es nicht. Thomas Böhm, Geschäftsführer von MSC Kreuzfahrten, schätzt aber, dass 2008 rund 80.000 Österreicher eine Kreuzfahrt gemacht haben. "Das ist ein Wachstum von rund 15 Prozent", sagte er im Gespräch mit der APA.

Eine Kreuzfahrt zu machen sei nicht mehr so elitär, wie es einmal war, bestätigte Böhm. Seit immer mehr und immer größere Schiffe gebaut werden, werde der Urlaub zu Wasser billiger und damit quasi "massentauglich". "Je größer das Schiff, desto günstiger das Bett", so Böhm.

Allein für dieses Jahr sind elf Taufen von Luxus-Dampfern a la AIDA, Costa oder RCI geplant. MSC Kreuzfahrten, mit über 30.000 beförderten heimischen Gästen im Vorjahr das nach eigenen Angaben passagierstärkste Kreuzfahrtunternehmen Österreichs, lässt im Juni die MSC Splendida vom Stapel laufen. Auch in den Jahren 2010 bis 2012 sei je eine Schiffstaufe pro Jahr vorgesehen.

Dubai, in den vergangenen Jahren unglaublich rasant gewachsen, erleidet derzeit einen Wachstumsstopp bei Investitionen. Immobilienprojekte werden ausgebremst. Das milliardenschwere Hotelprojekt Atlantis hat vor Weihnachten aufgrund der schwachen Belegung mit Lockangeboten geworben. Im Superlative-Hotel, dem 300 Meter hohen Burj-al-Arab, sollen bereits mehrere Etagen wegen Gästemangels stillgelegt worden sein. "In Dubai ist vieles im wahrsten Sinne des Wortes auf Sand gebaut", polarisierte Trendforscher Reiter.

"Ja, die Hotels sind nicht mehr so voll, deshalb gibt es günstigere Angebote", räumte Michelle Petermann vom Tourismus- und Marketingdepartment der Regierung in Dubai ein. Die Hotellerie sei von ihrem "hohen Ross" heruntergekommen, weshalb Dubai nun auch Gäste anziehe, die sich das vor nur wenigen Jahren nicht hätten leisten können. "Unter dem Wert will sich Dubai aber nicht verkaufen", betonte Petermann.

Aber nicht nur die Hotels haben an der Preisschraube gedreht, auch Flüge nach Dubai seien jetzt viel billiger. "Die Anzahl der Flugsitze hat sich erhöht, auch wir haben ein größeres Flugzeug eingesetzt", sagte Emirate-Direktor Martin Gross. Wenn es doppelt so viele Flugplätze gibt, gehen die Preise naturgemäß nach unten. Trotz dieser Entwicklung soll Dubai eine Luxusdestination bleiben, befindet Petermann. Es würden auch in Zukunft keine 4-Sterne-Hotels entstehen - jeder Investor, der eines errichten will, werde abgelehnt. "Dubai soll keine Rucksack-Touristen anziehen." (APA)

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    In Dubai will man mit günstigeren Angeboten die Hotels wieder mit Gästen füllen.

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