Zukunft der Qualitätsmedien- Davies: Es geht schlicht um die Wahrheit

18. März 2009, 10:34

Geschäftsmodell vieler Unternehmen aufgrund des Internets "kaputt"

Die Zukunft der Qualitätsmedien ist Gegenstand einer Diskussion am Dienstagabend an der Universität Wien gewesen, zu der ORF und "Die Zeit" geladen hatten. Als Keynote-Speaker sprach der britische Journalist Nick Davies. Sein Resümee: "Qualität im Journalismus ist simpel: Es geht schlicht darum, die Wahrheit zu sagen." Er warnte in diesem Zusammenhang davor, PR-Material ungeprüft zu übernehmen.

"Flat Earth News"

Davies, Autor des Buches "Flat Earth News", stellte fest, dass das Geschäftsmodell vieler Medienunternehmen aufgrund des Internets "kaputt" sei. Die Menschen seien nicht bereit, für Information zu zahlen, wenn sie diese - noch dazu rascher - aus dem Netz bekommen. Ein bedrohliches Szenario für die Branche sei auch, in Zeiten der Wirtschaftskrise, Geld von der Regierung zu fordern. "Die Zukunft schaut sehr sehr besorgniserregend aus", so Davies.

Kein "vernünftiges" Geschäftsmodell auf absehbare Zeit sah auch "Zeit-im-Bild"-Moderator Armin Wolf. In Anspielung auf die unter anderem von der Regierung geführte Debatte über die Zukunft des ORF und eine Ablöse der ORF-Geschäftsführung sagte Wolf: "Man muss sich immer Sorgen machen, wenn sich die Politik um den ORF Sorgen macht."

Entbehrlich

"Medien sind zu einflussreich, als dass irgendjemand widerstehen könnte, zu versuchen, sie zu manipulieren", stellte Joachim Riedl, Redakteur der "Zeit", fest. Er sieht die Zukunft der Qualitätsmedien nicht allzu pessimistisch. Zwar werde der Druck "natürlich" härter, aber für Printmedien sei Qualität zumindest ein Geschäftsmodell - im Gegensatz zum Boulevard: "Dieser ist entbehrlich. Die reine Informationsvermittlung ist in einer Demokratie nicht ersetzbar. Qualitätsmedien werden anders ausschauen, aber es wird sie weiter geben", so Riedl.

News-Chefredakteur Atha Athanasiadis rechnet damit, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre viele Medien "zusperren" müssten. Zudem würde es eine "radikale Änderung" in Richtung Internet geben. Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell glaubt, dass "wir alle" die Zukunft der Medien mitgestalten werden, "zumindest als Mediennutzer". Trotz aktuellem Anlass hatten die mehreren hundert erschienenen Studenten, die auch zur Diskussionsteilnahme eingeladen waren, kein Interesse am Inzest-Fall Josef F. "Offenbar overinformed", stellte Hausjell fest. (APA)

Sil68
 
00
24.3.2009, 12:53
Die Wahrheit...

, damit beschäftigen sich schon seit Menschengedenken unter anderem die Philosophen, und sie sind bis heute noch nicht wirklich zu einem allgemein gültigen Schluß gelangt, außer vielleicht, daß es "die Wahrheit" gar nicht geben kann, da "die Wahrheit" immer vom Standpunkt des jeweiligen Betrachters abhängt. Und somit können (Print) Medien niemals "die Wahrheit" "verkaufen" (wenn gleich dies auch ein nettes Wortspiel ist!), sondern immer nur persönliche Erfahrungen anektdotenhaft zum Besten geben.

Sir Ozelot
00
18.3.2009, 18:55

"Gerne wird behauptet, dass Leser von Print-Produkten für Journalismus bezahlen. Dies kann getrost als falsch bezeichnet werden: Die Leser bezahlen für die horrenden Kosten der Print-Distribution. Den Journalismus zahlte immer schon die Werbung. Wenn die Nutzer im Netz nicht direkt zahlen wollen, verlangen sie nur, dass die Kostenvorteile der Online-Distribution auch an sie weitergeben werden."

http://www.spiegel.de/netzwelt/... 89,00.html

Das teure ist der Print und der Vertrieb - man kann guten Journalismus auch ohne Zwischenhändler betreiben. Nur müssten die Medien aufhören oberflächlichen Nonsens zu verbreiten und gute Geschichten recherchieren. Als Empfehlung hierfür NZZ Online (meist ganz unten auf der Seite)

Bastian Balthasar Bux
00
18.3.2009, 18:03
Jaja, die Qualität, ein recht dehnbarer Begriff offenbar.

Der einzige aus der Branche, der da bei 'Qualitätsmedien' ein bisschen Kompetenz aufweisen dürfte, ist der Herr von der 'Zeit', die Wissenschaftler mal ausgenommen. Aber die sind halt eher Theoretiker.

Aber die Leutchen von ORF, oder News, bitte, die sollen den Mund ja halten, wenn es um 'Qualitätsmedien' geht.

Alfons der II.
01
18.3.2009, 11:04
Wir schreiben das Jahr 1909

Pferdedroschkenbesitzer klagen: Motorfahrzeuge machen das Geschäft kaputt.

hobsch
01
18.3.2009, 17:12

Stimmt ja auch ;-), oder kennst noch florierende Perdedroschkenunternehmen?

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