Extrem resistente Erreger bei Patienten in Österreich

18. März 2009, 10:42
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Noch immer eine der häufigsten Todesursachen - Neu: Multiresistente Fälle in Österreich, die nicht auf Medikamente ansprechen

Wien/Genf - 9,2 Millionen neue Erkrankungen, zwischen 1,5 bis zwei Millionen Todesfälle weltweit im Jahr 2006: Die Tuberkulose (TB) ist weiterhin ein enormes Problem. Während in Österreich die Erkrankungszahlen seit vielen Jahren ständig im Sinken begriffen sind, gibt es gleichzeitig eine neue Entwicklung: multiresistente beziehungsweise extrem resistente TB-Erreger.

Bei vier Patienten wurden letztere Varianten von Mycobacterium tuberculosis im Jahr 2008 auch in Österreich festgestellt. Doch eine Behandlung auf dem modernsten Stand führt auch hier zur Ausheilung, erklärten Experten aus Anlass des Welt-Tuberkulose-Tages 2009 am kommenden Dienstag (24. März).

Stabile Situation in Österreich

In Österreich ist die Situation rund um die TB stabil. "Wir haben in den ersten drei Quartalen des Jahres 2008 laut den vorläufigen Zahlen 522 Neuerkrankungen gehabt. Es werden also für das Gesamtjahr wieder rund 800 werden", sagte Jean-Paul Klein vom Gesundheitsministerium. 2007 waren 891 Tuberkulosefälle registriert worden (2006: 908). Rudolf Rumetshofer, Stellvertretender Leiter des Arbeitskreises für Infektiologie und Tuberkulose der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖPG): "Die Situation ist relativ konstant. Wir haben gute Möglichkeiten zur Behandlung. Wir haben ein gutes medizinisches System. Wir haben alle Medikamente zur Verfügung."

Multiresistente Fälle

Doch, was beispielsweise in Südafrika und in anderen Entwicklungsländern zu echten Katastrophen führt, ist auch in Österreich angekommen: Das Auftreten multiresistenter oder gar extrem resistenter Tuberkulose. Klein: "Pro Jahr haben wir in Österreich rund zehn multiresistente TB-Fälle."

Unter multiresistenter Tuberkulose (MR-TB) versteht man, dass die Erreger auf die beiden Standardarzneimittel Isoniazid (INH) und Rifampicin nicht ansprechen. Dann muss auf teure und schwieriger zu verabreichende "Zweit-Linien-Medikamente" zurückgegriffen werden, die aber in vielen Entwicklungsländern kaum erhältlich sind. In Taschkent in Usbekistan sind beispielsweise rund 40 Prozent der TB-Erkrankungen gegen INH resistent.

Vier Fälle in Österreich

Ab 2002 wurde weltweit aber eine noch besorgniserregendere Entwicklung registriert: extrem resistente Erkrankungsformen (XDR-TB). Die Erreger sind dabei zusätzlich auch noch gegen Fluorchinolone und/oder Substanzen wie Capreomycin, Kanamycin bzw. Amikacin unempfindlich.
Rumetshofer: "Bisher haben wir in Österreich im vergangenen Jahr vier solcher Fälle gehabt. Sowohl Multiresistenzen als auch extreme Resistenzen sind Dinge, die anderswo entstanden sind. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sie auch nach Österreich kommen. Die Prognose für die Patienten ist bei XDR-TB schlechter. Doch wir haben alle vier Patienten unter Therapie. Sie dauert dann mindestens zwei Jahre. Zwei unserer Patienten sind garantiert nicht mehr ansteckend." Ein Dritter sei derzeit auf dem Weg dorthin."

Durch eine anhaltende, intensive und spezifische Therapie, die auch natürlich den Schutz von Ärzten und Pflegekräften vor einer Ansteckung beinhalten muss, ist auch eine XDR-TB - in Österreich - offenbar recht gut behandelbar. Das trifft tragischerweise auf die Gegebenheiten in Entwicklungsländern zumeist nicht zu. Dort haben zu kurze Therapien bei zumeist insuffizienten Gesundheitssystemen zur Ausbreitung solcher Erkrankungsformen geführt. In Südafrika wurden deshalb Betroffene sogar in Abteilungen hinter Stacheldraht untergebracht.
Doch für Panikmache ist kein Platz. Rumetshofer: "Niemand braucht in Österreich glauben, dass jemand mit einer Tuberkulose sterbenskrank ist oder dass das ein 'Todesurteil' ist. Da muss man die Menschen wieder informieren - und einer Hysterie entgegenwirken."

Eine der häufigsten Todesursachen

Die Tuberkulose (TB) ist die Krankheit der Armen, der Ausgebeuteten, Migranten und Kriegsopfer: Noch immer zählt diese Infektion zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet mit weltweit jährlich rund 1,5 Millionen Opfern. Das sind aber konservative Schätzungen.

Der Wiener Spezialist Rudolf Rumetshofer, Stellvertretender Leiter des Arbeitskreises für Infektiologie und Tuberkulose der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖPG), rechnet mit an die zwei Millionen Toten pro Jahr. Hier die aktuelle Liste der WHO zu den häufigsten Todesursachen: Datenbasis ist das Jahr 2004. Damals starben insgesamt 58,8 Millionen Menschen, vor allem an:

1. Herzinfarkt und andere ischämische Herzkrankheiten: 7,2 Millionen - 12,2 Prozent (weltweit)

2. Schlaganfall und andere zerebrovaskuläre Leiden: 5,7 Millionen - 9,7 Prozent

3. Lungenentzündung und andere Infekte der unteren Atemwege: 4,2 Millionen - 7,1 Prozent

4. Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD): 3,0 Millionen - 5,1 Prozent

5. Durchfallerkrankungen: 2,2 Millionen - 3,7 Prozent

6. Aids: 2,0 Millionen - 3,5 Prozent

7. Tuberkulose: 1,5 Millionen - 2,5 Prozent

8.  Lungen-, Bronchien- und Luftröhrenkrebs: 1,3 Millionen - 2,3 Prozent

9. Verkehrsunfälle: 1,3 Millionen - 2,2 Prozent

10. Frühgeburt und zu geringes Geburtsgewicht:  1,2 Millionen - 2,0 Prozent (APA/red)

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