Kärntner Hypo Group verliert ihren Chef

18. März 2009, 17:56
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Mitten in der Finanzkrise und der Restrukturierung durch die BayernLB verlässt Tilo Berlin den Chefsessel der Kärntner Hypo Group Alpe Adria

Mitten in der Finanzkrise und der Restrukturierung durch die BayernLB verlässt Tilo Berlin den Chefsessel der Kärntner Hypo Group Alpe Adria. Zurück bleibt eine Bank, die einst Teil des Kärntner Selbstverständnisses war.

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Klagenfurt/Wien - Von den Fenstern seines Vorstandsbüros in der exzentrisch designten Hypo-Group Alpe-Adria-Zentrale konnte Tilo Berlin hinüber zum Ulrichsberg blicken, dorthin, wo sein Biohof und seine Ländereien liegen. Diesen Ausblick dürfte der Banker, der als Berufsbezeichnung gerne kokett "Bauer" angibt, wohl vermissen. Berlin tritt nach massiven Differenzen mit der Bayerischen Landesbank über den weiteren Kurs der Hypo Group von seinem Vorstandschefposten zurück. Er wollte angeblich einem von den Bayern beabsichtigten Ausverkauf der Hypo-Töchter am Balkan nicht zusehen. Bestätigt wird das weder in München noch in Klagenfurt.

Zu Wochenbeginn war Berlin mit dem Chef der BayernLB, Michael Kemmer, zusammengetroffen, um über die Zukunft der Hypo Group zu beraten. Die Bayern, durch die Finanzkrise schwerst angeschlagen, hatten unter dem Projektnamen "Herkules" seit Monaten eine neue Strategie für die notleidende Tochter erarbeitet, die auf einen Rückzug aufs Kerngeschäft, eine drastische Schrumpfung der Auslandsgeschäfte und massiven Personalabbau hinausläuft.

Zudem steht die BayernLB selbst unter politischem Druck, die Deutschen wollen verhindern, dass Steuergeld für die Hypo Group in den Balkan sickert. Hintergrund: Die Bayern haben Ende des Vorjahres 700 Mio. Euro in die Kärntner Tochter gepumpt, als die sich 900 Mio. Euro vom österreichischen Staat holen musste. Die Hypo-Geschäfte 2008 liefen schlecht; allgemein erwartet man einen Verlust von um die 500 Mio. Euro.

Der bei Geschäftsterminen oft in ländlich-feinen Tweed gekleidete "Biobauer" Berlin war ohnehin länger geblieben, als er ursprünglich vorgehabt hatte. Seinem Hobby, dem Züchten von Hochlandrindern, Biofischen und Biokrebsen, wird der 50-Jährige nun wohl öfter nachgehen können. Er will den Österreich-Sitz seines Vermögensanlage-Unternehmens Berlin&Co, an dessen Spitze er nun zurückkehren wird, von Salzburg nach Klagenfurt verlegen.

Die Hypo Group Alpe Adria, Kärntens ehemalige Landesbank, hat sich für Berlin und seine schwerreichen Kunden als ausgesprochen lukratives Investment erwiesen. Die an der Bank beteiligte Investorengruppe samt Berlin stieg beim Verkauf an die BayernLB aus - und verdienten dabei kräftig mit.

Die Geschichte davor spiegelt den Auf- und Abstieg einer Kärntner Landesbank wider. Die Kärntner Hypo, die als eines der ersten österreichischen Institute am Balkan tätig wurde, war unter Wolfgang Kulterer schnell zur fünftgrößten Bank Österreichs herangewachsen. Weil aber das Land Kärnten nie Kapital zuschießen wollte, blieb die Eigenkapitaldecke gefährlich dünn.

Landeshauptmann Jörg Haider nützte die Hypo als Finanzierungsinstrument, um seine Prestigeprojekte, wie das Schlosshotel Velden oder die Ausstattung von Fußballklubs, trotz leerer Landeskassen zu realisieren. Nolens volens sprang die Hypo ein, deren Lage sich dadurch nicht unbedingt verbesserte.

Was eskalierte, als Kulterer sich auf riskante Spekulationsgeschäfte einließ, nicht zuletzt, um weiteres Wachstum am Balkan zu ermöglichen und Haiders Begehrlichkeiten erfüllen zu können. Als schließlich die Zinsswap-Verluste platzten, Hypo und Land Kärnten dringend frisches Geld brauchten, griff Berlin mit seiner Investorengruppe zu. Er kaufte sich 2006 und 2007 in zwei Tranchen um je 125 Mio. Euro ein, zu 9,09 Prozent.

Bayern suchen Sanierer

Wenig später verkauften Berlin&Co, Land Kärnten und Grazer Wechselseitige die Mehrheit der Hypo um 1,6 Mrd. Euro an die Bayern. Der Blitzverkauf lief unorthodox: Der Aufsichtsrat der Kärntner Landesholding bekam am Tag der Beschlussfassung eine100-seitige Tischvorlage zu sehen, zum Studium des Syndikatsvertrags hatte er eine Minute Zeit. Antworten auf zentrale Fragen gab es keine.

Die Münchner bestellten Berlin zum Vorstandvorsitzenden - ein Job, den der 50-Jährige nicht zuletzt seiner Freundschaft zum Bayern-LB-Chef Werner Schmidt verdankte. Doch der ist mittlerweile längst Geschichte, das Verhältnis Berlin/Kemmer blieb unterkühlt. Seit Dezember suchen die Bayern nun schon nach einem neuen Hypo-Chef - diesmal soll es ein Sanierer sein, sagt man in München. (Elisabeth Steiner, Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.03.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Bild aus alten Tagen zeigt, wie die Verbindungen liefen: Der scheidende Hypo-Group-Chef Tilo Berlin (4. v. li.) mit Landesholding-Aufsichtsratschef J. Martinz, Landeshauptmann Jörg Haider (2008 verstorben), Ex-BayernLB-Chef W. Schmidt und Ex-Hypo-Chef W. Kulterer.

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