Finanzkrise drückte HVB tief in rote Zahlen

18. März 2009, 08:08
posten

2008 HVB-Verlust von 671 Mio. Euro - Investmentbanking mit Milliardendefizit, Kreditvorsorgen steigen stark an - Keine Staatshilfe für Münchner UniCredit-Tochter geplant

München - Im Strudel der Finanzkrise ist die deutsche HypoVereinsbank (HVB) im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Die UniCredit-Tochter und Schwester der Bank Austria erwartet zwar 2009 kein Ende der Krise, will diese aber auf jeden Fall ohne Staatshilfe überwinden. Unter dem Strich standen im vergangenen Jahr 671 Mio. Euro Verlust nach einem Gewinn von mehr als 2 Milliarden Euro im Vorjahr, wie die HVB am Mittwoch in München mitteilte. Vor Steuern machte die Bank 595 Mio. Euro Verlust.

Grund für die roten Zahlen waren Milliardenverluste in der Investmentsparte. "Auch in den nächsten Monaten rechnen wir mit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die unsere Kunden und die Bankenbranche weiterhin vor große Herausforderungen stellen werden", erklärte HVB-Chef Theodor Weimer. Deshalb wage er keine Prognose. Das operative Ergebnis der Bank fiel im vergangenen Jahr um 85 Prozent auf 453 Mio. Euro.

Zwar sei das Jahresergebnis nicht zufriedenstellend, die Bank habe sich aber "vergleichsweise gut behauptet", sagte der Vorstandschef. Mit 14,3 Prozent weise die HVB eine im Vergleich zu anderen Banken derzeit ungewöhnlich hohe Kernkapitalquote aus. Aufgrund ihrer guten Eigenkapitalausstattung sei die Bank "nicht annähernd" in der Situation, Staatshilfe zu beantragen, sagte Weimer. "Selbst wenn wir's wollten, wir würden es nicht bekommen."

Die Konzernmutter UniCredit dagegen kündigte an, Staatshilfen zu beantragen. Der Gewinn der italienischen Großbank ging 2008 um 38 Prozent auf 4 Milliarden Euro zurück. Im vierten Quartal 2008 verdiente Unicredit nach 1,17 Milliarden im Vorjahresquartal nur noch 505 Mio. Euro.

Leichte Erholung zu Jahresbeginn

Allein bei der deutschen Tochter HVB fiel im vierten Quartal ein Verlust vor Steuern in Höhe von 665 Mio. Euro an. Die ersten beiden Monate 2009 seien aber wieder besser gelaufen, erklärte Weimer. "Vor dem Hintergrund der kalten Duschen 2008" werde man aber keine Prognose abgeben. "Wir glauben nicht, dass wir die Krise hinter uns haben", sagte Weimer. 2009 gehe es darum, "solide aus der Krise herauszukommen". Dies sei aber abhängig vom weiteren Verlauf der Finanzmarktkrise und auch von der Entwicklung der Realwirtschaft.

Allein im vergangenen Jahr musste die HVB ihre Kreditrisikovorsorge für Zahlungsausfälle um fast 42 Prozent auf 760 Mio. Euro aufstocken. Der Bedarf werde im laufenden Jahr noch einmal deutlich steigen, kündigte Weimer an. Man müsse mit weiteren Insolvenzen rechnen. Die HVB werde ihre Kunden weiter mit Krediten bedienen, werde aber keine großen Risiken eingehen.

Während Privat- und Firmenkundengeschäft und Vermögensverwaltung im vergangenen Jahr Gewinne einfuhren, riss die Investmentbanking-Sparte ein tiefes Loch in die Bilanz der Bank. Vor Steuern fiel dort ein Verlust von rund 2 Milliarden Euro an. Die Investmentbanker der HVB müssten auf Bonuszahlungen verzichten, sagte Weimer. Allein durch die Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers verlor die HVB nach eigenen Angaben 126 Mio. Euro. Bewertungsverluste aus faulen Wertpapieren belasteten das Handelsergebnis mit 751 Mio. Euro. (APA/AP)

Share if you care.