Weltbank senkt Prognose für China

18. März 2009, 18:55
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Wegen schlechterer Rahmenbedingungen nur mehr 6,5 Prozent Wachstum erwartet

Die Weltbank hat knapp eine Woche nach Ende des Pekinger Volkskongresses ihre Prognose für Chinas Wachstum 2009 auf 6,5 Prozent nach unten gesenkt. Es ist die bereits dritte Korrektur der eng mit Pekings Wirtschaftsplanern verbundenen Bank, die in China Milliardenprojekte im Infrastruktur- und Umweltbereich finanziert.

Schon im vergangenen November hatte die Weltbank ihre einstige Prognose von 9,2 Prozent auf 7,5 Prozent heruntergestuft. Die jüngste Korrektur begründete die Bank mit den sich weiter verschlechternden internationalen Rahmenbedingungen und ungenügender Binnennachfrage.

Die Bank hat sich von der Zuversicht von Premier Wen Jiabao nicht anstecken lassen, der vor Chinas Parlament das Regierungsziel von acht Prozent Wachstum zwar als schwierig, aber erreichbar bezeichnete. Die Weltbank hält China jedoch zugute, die weltweite Krise bisher besser als andere Länder zu verkraften. Dank der geringen Abhängigkeit von externer Finanzierung und mit einem von der Finanzkrise weitgehend abgeschotteten Bankensystem rage das Land aus dem "düsteren Szenario" heraus, das die Weltwirtschaft zeige, sagte der China-Leiter der Weltbank, David Dollar in Peking.

Seine neue Prognose, die wegen der Unwägbarkeit der Entwicklung unter dem Vorbehalt möglicher "weiterer Korrekturen nach unten wie nach oben" steht, fördert Spekulationen, dass sich Pekings Regierung zum konjunkturellen Nachschlag gezwungen sehen könnte. Premier Wen hatte vergangene Woche weitere Anschubmaßnahmen in Aussicht gestellt, falls das auf zwei Jahre verteilte, umgerechnet 460 Milliarden Euro schwere Sonderkonjunkturprogramm nicht genug Wirkung zeige.

Peking habe für Zusatzprogramme noch "finanzielle Munition", sagte Wen, der mit hohem Wachstum vor allem die Arbeitslosigkeit eindämmen will. Die Weltbank warnte jedoch davor, alles Heil in Staatsinvestitionen zu suchen, die bereits zu mehr als drei Viertel zu dem vorhergesagten Wachstum von 6,5 Prozent beitragen. Sie rät China stattdessen zu Wirtschaftsreformen und zum Ausbau des Sozialnetzes. Das Land könnte dann niedrigeres Wachstum in Kauf nehmen, ohne dadurch destabilisiert zu werden.

Warnungen, das sich die Krise für China härter als gedacht auswirken wird, kommen nun auch von der wichtigsten Staatsbank Bank of China (BOC). BOC-Chef Xiao Gang widersprach Hoffnungen, dass sein Land die Krise frühzeitig meistern könnte. Die weltweiten Auswirkungen der Krise würden noch "fünf bis zehn Jahre" zu spüren sein. Und es werde "zudem lange dauern, bis Chinas exportorientierte Wirtschaft sich in eine Volkswirtschaft verwandeln kann, die von der Binnennachfrage angetrieben wird." (erl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.03.2009)

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