"Darabos will mein Leben zerstören"

18. März 2009, 15:40
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Ex-ÖSV-Trainer greift Sportminister an und verteidigt sich gegen Doping-Vorwürfe - Lebensgefährtin Gradwohl: "Er ist ein Wrack"

Wien - Walter Mayer hat in einem Interview mit der "Kleine Zeitung" erstmals ausführlich zu den seit den Olympischen Winterspielen 2006 gegen ihn geäußerten Doping-Verdächtigungen Stellung bezogen. Zudem erhob der ehemalige ÖSV-Trainer Vorwürfe gegen Verteidigungs- und Sportminister Norbert Darabos. "Ich habe nichts Verbotenes gemacht", versicherte Mayer. Anschuldigungen, Verdächtigungen und angebliche Falschmeldungen haben bei Walter Mayer laut seiner Lebensgefährtin Eva Maria Gradwohl tiefe psychische und körperliche Spuren hinterlassen. "Er ist ein Wrack", sagte die Marathonläuferin, die im vergangenen Jahr ihre Bestzeit von 2:36:21 Stunden auf den den neuen ÖLV-Rekord von 2:30:51 Minuten gesteigert.

Ausschlaggebend für Mayers Gang in die Öffentlichkeit sei ein in der Sonntag-Ausgabe der Tageszeitung "Die Presse" erschienener Bericht, in dem Mayer vorgeworfen wurde, junge Leichtathletinnen zu betreuen, und der Grabenkampf Mayers mit seinem Dienstgeber, dem Bundesheer, detailliert geschildert wurde.

Sein bisheriges Stillhalten führt er ausschließlich auf eine dienstliche Anweisung des Bundesheeres und nicht auf ein kolportiertes "Schweigegeld" von 290.000 Euro des ÖOC bzw. eines Olympia-Lobbyisten aus Salzburg zurück.

Anschuldigungen, er sei eine zentrale Doping-Figur, erteilte er eine Absage. "Keine Frage, ich war ein Schlitzohr, und ich stand etwa 2002 auf dem Standpunkt, dass erlaubt ist, was nicht verboten ist. Und das war die Methode, die wir damals angewandt haben, laut FIS-Reglement nicht. Bei Olympia war sie es. Dafür bin ich gesperrt worden", meinte Mayer, der nach den Spielen 2002 in Salt Lake City wegen Bluttransfusionen bis 2010 von Olympia ausgeschlossen worden war.

Der  Austria Presse Agentur ging am Dienstagabend ein E-Mail von Mayer zu, indem der Heeresbedienstete dem seit Februar auch für die Sportagenden zuständigen Verteidigungsminister Darabos vorwirft, er versuche sein Leben zu zerstören. "Wir haben ja Verständnis dafür, dass er verärgert ist, aber er sollte besser kühlen Kopf bewahren", reagierte Darabos-Sprecher Hirsch auf Mayrs Vorwürfe.

"Frühpension einzige Möglichkeit"

Gradwohl sagte, der 52-Jährige leide immer noch unter schweren psychischen Beeinträchtigungen durch die Berichterstattung in den Medien und Störfeuer von involvierten Personen. Mayer selbst war am Mittwoch vorläufig nicht erreichbar. Der Bundesheerbedienstete befindet sich seit 2006 fast durchwegs im Krankenstand. Am Vormittag musste er sich in Graz einer weiteren medizinischen Untersuchung unterziehen, bei der seine Diensttauglichkeit von einem Psychologen geprüft werden sollte. Als Dienstgeber sei man verpflichtet, Bedienstete, die sich über einen längeren Zeitraum im Krankenstand befinden, regelmäßig medizinisch auf ihre Dienstfähigkeit zu untersuchen, verlautete es aus dem Verteidigunsministerium. "Hier wird auch bei Walter Mayer keine Ausnahme gemacht."

"Eigentlich ist für ihn die Frühpension die einzige Möglichkeit", meinte Gradwohl. Darabos hatte in der "Presse"  eine Versetzung weg aus dem Heeressportzentrum Graz angekündigt. Die Vorwürfe, wonach Mayer von ihr betreute Leichtathletinnen trainieren würde, wies Gradwohl zurück. Sie bezeichnete Aussagen des ÖLV-Spartentrainers Wilhelm Lilge, der seit einem Jahr gegen sie intrigieren soll, als unwahr.

"Lilge ist ein Lügner", bekräftigte die Steirerin. Er habe verschiedene Tageszeitungen immer wieder mit Falschinformationen versorgt, um sie als Doping-Sünderin darzustellen. Lilge dementierte umgehend und entschieden. "Ich habe nichts an Medien weitergegeben", sagte der erklärte Doping-Gegner. (APA/red)

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