"Damit kann man viel einfacher mal was löschen"

17. März 2009, 19:35
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An einer Volksschule in Strebersdorf ist mobiles Lernen längst kein Schlagwort mehr

Neben Heft und Füller haben die Schüler der Klasse 3a auch Netbooks in ihren Schultaschen.

Wien – Was haben 27 Mäuse auf den Tischen einer dritten Volksschulklasse zu suchen? Nein, es handelt sich dabei nicht um Sachunterricht über Nagetiere. Denn die Mäuse sind rosa, aus Plastik, ihr langer "Schwanz" verbindet sie mit 27 weißen, heftgroßen Netbooks, auf deren Deckel ein Bild verrät, welchem Mädchen oder Bub sie gehören.

Lehrerin Ilse Bailicz gibt den Kindern kleine Rätsel auf, deren Antworten sie mit der Tastatur in ihre Geräte eingeben: Maus, Baum, Haus, Zaun, Schlauch. "Jetzt markiert ihr das erste Wort, geht auf die Funktion Kopieren und setzt das Wort dann so, dass es zweimal hintereinander da steht", leitet sie die Schüler an. Eifrig klicken die Kinder mit ihren Mäusen herum.

"Wie gelingt es dir nun, aus dem Wort Maus Mäuse, also die Mehrzahl, zu machen, indem du nur Dinge anhängst und Buchstaben austauschst?", fragt Bailicz. "Ist ja urleicht", ruft es von allen Seiten. Wenig später rufen die Schüler über das drahtlose Netzwerk in der Klasse ein von der Lehrerin erstelltes Arbeitsblatt im Intranet auf und üben auf ihren Netbooks das "Au".

Seit Anfang dieses Schuljahrs sind die handlichen und leichten Netbooks von Asus (Eee PC) die mobilen Klassenkameraden der Kinder der Klasse 3a der Praxisvolksschule der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien/Krems in Wien-Strebersdorf. Sie sollen die alte Schultafel, Bücher, Hefte, Buntstifte und Füller nicht ersetzen, sondern den Lernprozess unterstützen und ergänzen. Zwar gibt es in allen anderen Volksschulen auch schon Computer, allerdings pro Klasse nur zwei.

"Neben einer generellen Förderung der Lernfreude wollen wir die Medienkompetenz der Schüler steigern und ihnen mögliche Berührungsängste mit der Technik nehmen", erläutert Johann Eder, Leiter der privaten Volksschule der Erzdiözese Wien, die Hintergründe des wissenschaftlich begleiteten zweijährigen Pilotprojekts.

"Ich arbeite urgern mit dem Computer", bestätigt die neunjährige Maresa. "Ja, weil man damit viel einfacher mal was löschen kann als mit dem Füller", meint ihre Klassenkameradin Alina. "Mir gefällt, dass ich nicht so viel die Hand bewegen muss", ruft Theo dazwischen.

"Tools wie etwa die Rechtschreibprüfung zeigen den Kindern Fehler sofort an und helfen ihnen dabei zu hinterfragen, was falsch sein könnte", nennt Klassenlehrerin Bailicz einen der positiven Effekte. "Sie werden dadurch bewusster und aufmerksamer." So ganz nebenbei bringt sie ihnen das Zehnfinger-Schreibsystem bei: "Das ist auf der kleinen Tastatur viel einfacher für die Kinder."

Allerdings verlange die Arbeit mit Computern den Kindern in dieser Alterstufe ein hohes Maß an Konzentration ab, danach seien sie doch manchmal recht müde. Länger als eine Unterrichtsstunde damit intensiv zu arbeiten halte sie daher nicht für empfehlenswert. Die Schüler dürfen die robusten Mini-PCs auch mit nach Hause nehmen, um Arbeitsblätter darauf zu bearbeiten und Hausaufgaben zu machen – diese können die Kinder der Lehrerin dann per E-Mail schicken. Andere Programme, geschweige denn Computerspiele, darauf zu installieren ist allerdings nicht gestattet. Sehr zum Leidwesen mancher großer Geschwister oder Väter, sagt Schulleiter Eder.

Eder ist ein großer Verfechter des computerunterstützen Lernens. Erste Projekte an seiner Schule gab es bereits 1991, damals als unverbindliche Übung mit ein paar gebrauchten, geschenkten Geräten. 2004 ging hier ein Projekt mit Pocket-PCs über die Bühne, mobilen kleinen Computer, die vor dem Siegeszug der Smartphones in vielen Manager-Anzügen steckten. "Es heißt immer, Computer führten zur Isolation von Kindern. Wir waren selbst erstaunt, wie die Kinder das Gerät nutzten, um sich etwa bei mobilen Projekten miteinander auszutauschen", erinnert sich Pädagoge Wolfgang Seper.

Der Einsatz von Computern ab der dritten Klasse Grundschule helfe auch dabei, mit den Kindern rechtzeitig einen kritischen Umgang mit dem Internet zu lernen. Zum Beispiel, wenn man beim Thema Beutelratte einmal gemeinsam vergleiche, was für qualitativ unterschiedliche Beiträge und Bilder es sich dort zu dem Nagetier finden lassen.

Die Schulglocke läutet. Nachdem Alina, Theo, Maresa und ihre Freunde ihre Texte gespeichert haben, gibt es für sie nur eins: raus in die Pause zum Toben. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, Printausgabe, 18.3.2009)

  • "Ist doch kinderleicht" - der richtige Umgang mit Computer und
Internet, der in Strebersdorf am Eee PC erlernt wird.
    foto: standard/hendrich

    "Ist doch kinderleicht" - der richtige Umgang mit Computer und Internet, der in Strebersdorf am Eee PC erlernt wird.

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