Hitzewelle und längere Dürreperioden

17. März 2009, 18:43
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Die Münchener Rück präsentiert den "Globus der Naturgewalten" - Auch Österreich betroffen

Wien - Der jüngst veröffentlichte Katastrophen-Atlas der Münchener Rück "Globus der Naturgefahren" prognostiziert eine verheerende Zukunft: Erdbeben, Vulkanausbrüche, Überschwemmungen und extreme Dürreperioden. Wer als Versicherer, Bauplaner oder privat Interessierter wissen will, wie groß die Wahrscheinlichkeit von Naturkatastrophen am Ort seiner Wahl ist, kann dies mit Hilfe der interaktiven Karte herausfinden. Am kommenden Donnerstag wird Andreas Siebert, Projektleiter der Geo-Risiko-Forschung beim weltgrößten Rückversicherer, die DVD "Globus der Naturgefahren" bei einer Veranstaltung der Generali in Wien vorstellen.

Für Wien etwa prognostizieren Siebert und seinTeam bis 2090 eine Zunahme der Temperaturen um drei Grad. Absehbar sei "ein starker Anstieg der Hitzewellen mit mehr Tagen über 30 Grad" , so Siebert im Gespräch mit dem Standard.
Im Nordosten Österreichs, wo es derzeit rund acht Hitzetage im Jahr gibt, ist ab dem Jahr 2019 bis zum Jahr 2048 mit jährlich über 30 Hitze-Tagen zu rechnen, ab dem Jahr 2090 gar mit über 40 Tagen mit mehr als 30 Grad, also einer Verfünffachung zum Status quo.

Gleichzeitig mit der Zunahme der Hitzewellen ist mit längeren Dürreperioden zu rechnen - mit enormen Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Besonders gefährdet seien Oberösterreich, die Steiermark und das Burgenland. Laut Siebert könnten sich die Dürrezeiten verdoppeln und damit um bis zu 20 Tage länger dauern als derzeit. Und das wiederum könne in der Landwirtschaft je nach Fruchtsorte zu Produktionseinbußen von zehn bis 30 Prozent führen.

Die Münchener Rück war vor 35 Jahren eines der ersten Unternehmen, die sich mit dem Phänomen des Klimawandels beschäftigte. Die Zahl großer Naturkatastrophen mit mehr als einer halben Milliarde Dollar Schaden und mehr als 500 Toten habe sich seit Mitte der 80er Jahre auf 30 pro Jahr verdreifacht. Klimabedingte Katastrophen hätten die höchste Steigerungsrate. Um 3,5 Prozent stieg der Ausstoß von Treibhausgasen in diesem Jahrzehnt, viermal mehr als in den zehn Jahren zuvor.

An der Ostküste der USA sei die Assekuranz deshalb bei Hurrikanen an die Grenze der Versicherbarkeit gekommen.

Betroffen seien vor allem Florida und Texas, wo für neue Werte keine Deckung mehr zu finden sei. Im Rest der Welt verursache der Klimawandel steigende Versicherungsprämien: Im Schnitt stiegen sie um 3,5 Prozent pro Jahr - weniger in Europa, mehr in den USA und Asien. Ungefähr 100 Milliarden Dollar haben Naturgewalten zuletzt weltweit an Schäden verursacht. Tendenz steigend. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe, 18.3.2009)

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    grafik: der standard
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