Schießwütige Kavallerie

17. März 2009, 18:05
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Das war schon ein Dammbruch, als unkooperativen Länder der Reihe nach umfielen und ihr Bankgeheimnis durchlöcherten - Von Andreas Schnauder

Das war schon ein Dammbruch, als die in Sachen Steueraustausch unkooperativen Länder der Reihe nach umfielen und ihr Bankgeheimnis durchlöcherten. Der zuvor aufgebaute Druck war einfach zu groß - für mediterrane Zwergstaaten ebenso wie für alpine Republiken.

Doch statt die Reformen leise zu genießen, posaunte so mancher den Triumph laut hinaus. Deutschlands Finanzminister Peer Steinbrück war wieder einmal der Lauteste. Er ließ sich sogar zu einem Vergleich hinreißen, wonach die Steueroasen Indianer seien, die sich von der Kavallerie (gemeint sind steuerehrliche Staaten wie Deutschland) in Angst und Schrecken versetzen ließen. Ein starkes Stück, für das dem deutschen Botschafter in Bern die Leviten gelesen wurden.

Schon die Vorgeschichte des Durchbruchs hatte einen üblen Beigeschmack. So richtig begann alles mit der Liechtensteiner Steueraffäre, bei der sich deutsche Behörden zum Kauf gestohlener Daten herabließen. Dann gingen die USA in der UBS-Steueraffäre mit bisher ungeahnter Härte vor. Letztlich wurde die OECD ins Boot geholt, die mit Deutschland, Frankreich, den USA und anderen gemeinsame Sache machte und eigene Mitglieder anschwärzte. Von Steuerparadiesen in Delaware oder London hört man indes wenig. 

Die Konzessionen der Staaten mit mangelhaftem Informationsaustausch sind zu begrüßen, doch die Methoden der Bekehrer erinnern leider tatsächlich an die der schießwütigen Kavallerie. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, Printausgabe, 18.3.2009)

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