Türkei wegen "Jungferntests" verurteilt

17. März 2009, 17:42
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Junge Frauen sind in Polizeigewahrsam gequält worden

Straßburg - Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Türkei wegen sexueller Misshandlung zweier junger Frauen im Polizeigewahrsam verurteilt. Die damals 16 und 19 jahre alten Jugendlichen seien vor den Augen von Polizisten gegen ihren Willen "Jungferntests" unterzogen und gequält worden, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Urteil. Die Türkei wurde angewiesen, jeder Klägerin 10.000 Euro Schmerzensgeld zu zaheln.

Die jungen Frauen waren im März 1999 bei einer Operation gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der Provinz Hatay nahe der syrischen Grenze festgenommen worden. Sie blieben sechs Tage in Polizeigewahrsam. Dem Urteil zufolge mussten die Klägerinnen mehrere Stunden lang ohne Essen und Trinken aufrecht stehen und wurden am Schlafen gehindert.

Entwürdigende Behandlung

Außerdem untersuchten Ärzte, ob die Jugendlichen noch jungfräulich waren. Dass dies ohne Notwendigkeit, gegen den Willen der jungen Frauen und vor den Augen von Polizisten geschah, wertete der Gerichtshof als "entwürdigende Behandlung". Eine der Festgenommenen wurde zudem mit einem Schlagstock sexuell misshandelt.

Obwohl Gutachten der medizinischen Fakultät von Istanbul die Aussagen der Frauen untermauerten, sei das Verfahren gegen die Polizisten "mangels Beweisen" eingestellt worden, rügte der Gerichtshof. Die Klägerinnen selbst wurden Ende 1999 wegen Zugehörigkeit zur PKK zu zwölf beziehungsweise 18 Jahren Haft verurteilt. (APA/AFP)

 

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