Titel an Pilot mit meisten Siegen

17. März 2009, 18:33
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Punkte entscheiden nach Be­schluss des Automobilverbandes nur bei Gleichstand - Neues System gilt ab sofort - Testverbot gelockert

Paris - Die Formel 1 erlebt einen weiteren entscheidenden Einschnitt in ihrer Geschichte. Demnach ergeht der WM-Titel bereits ab der am Sonntag in einer Woche in Melbourne beginnenden Saison nicht mehr an den punktbesten Fahrer, sondern an jenen mit den meisten Saisonsiegen. Erst in zweiter Instanz - also bei gleicher Anzahl an Siegen - entscheiden die WM-Punkte über die Krone. Das gab der Motorsport-Weltrat des Internationalen Automobil-Weltverbandes FIA am Dienstag nach einer Sitzung in Paris bekannt.

Die Punktevergabe (10, 8, 6, 5, 4, 3, 2, 1 für die Ränge 1 bis 8) bleibt dagegen gleich. Der Weltrat folgte damit nicht der Teamvereinigung FOTA, die eine anderslautende Änderung des Systems (nämlich 12, 9, 7, 5, 4, 3, 2, 1) vorgeschlagen hatte, sondern der Management-Gruppe um Bernie Ecclestone. Dessen ursprünglicher Vorschlag einer "Medaillenwertung" mit Gold, Silber und Bronze wurde aber ebenfalls nicht in vollem Umfang umgesetzt.

Die Plätze hinter dem Weltmeister werden in der WM-Wertung auch weiter nach dem Punktesystem vergeben. "Wenn zwei oder mehr Fahrer die Saison mit der gleichen Anzahl an Saisonsiegen abschließen, ergeht der Titel an den Fahrer mit den meisten Punkten", erklärte die FIA das neue System in einer Stellungnahme. Im Vorjahr hatte der Engländer Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) seinen ersten Titel trotz der geringeren Anzahl an Siegen um einen Punkt gegenüber dem Brasilianer Felipe Massa (Ferrari) geholt.

Massa hatte zwar das dramatische Saisonfinale in Brasilien gewonnen, Hamilton allerdings ein vierter Platz zum Titel gereicht. Diese Szenerie soll ab 2009 der Vergangenheit angehören. Der Fahrer mit den meisten Siegen ist automatisch Weltmeister. "Das ist schon ein großer Einschnitt. Allerdings müssen wir uns erst ansehen, wie sich das in der Praxis auswirkt", meinte Österreichs dreifacher Weltmeister Niki Lauda. "Ziel ist es sicherlich, dass die WM erst im letzten Rennen, in der letzten Runde entschieden wird."

Zudem führt die FIA ab der Saison 2010 eine Budget-Obergrenze ein, allerdings nur als Wahlmöglichkeit. Ein Rennstall, der sich verpflichtet, nicht mehr als 33 Millionen Euro für eine Saison auszugeben, darf einen aerodynamisch effizienteren Unterboden, verstellbare Flügel und einen Motor ohne Drehzahlbegrenzung (derzeit ist bei 18.000 Umdrehungen pro Minute Schluss) verwenden. FIA-Präsident Max Mosley: "Diese Regeln ermutigen zu intelligenten Entwicklungen." Dadurch sollen diese Teams aber à la longue keinen Vorteil gegenüber den Superreichen erhalten. Um das sicherzustellen, behält sich die FIA das Recht vor, die zusätzlichen Freiheiten verändern zu können.

Vor einer generellen Obergrenze für alle Teams schreckte die FIA zurück, möglicherweise auch deshalb, weil die Fota bereits selbst Vorschläge zu drastischen Kostenreduzierungen gemacht hatte. Nach den bereits für die Saison 2009 beschlossenen Einsparungen will die Fota mit weiteren Vorschlägen für 2010 die Gesamtkosten für einen Rennstall im Vergleich zum vorigen Jahr um 50 Prozent senken. Heuer kostet die Raserei um 30 Prozent weniger. Motoren sollen für fünf anstatt wie in diesem Jahr noch für acht Millionen Euro, Getriebe für 1,5 Millionen Euro angeboten werden. Das neue Energierückgewinnungssystem KERS soll standardisiert werden, was die Kosten um 80 Prozent reduziert.

Testverbot gelockert

Das Testverbot während der gesamten Saison wurde für zwei kleine Ausnahmen gelockert. Zum einen dürfen Neulinge, die in zwei Jahren nicht mehr als zwei Rennen oder vier Testtage absolviert haben, an drei Tagen zwischen dem letzten Rennen und dem Jahresende testen. Dazu werden jedem Team acht eintägige Aerodynamik-Tests auf einer langen Geraden oder einer Teststrecke mit konstantem Kurvenradius erlaubt.

Die FIA segnete auch die Übernahme des Platzes von Honda durch den neuen Rennstall namens Brawn GP ab. Das Team von Ross Brawn, des ehemaligen Technischen Direktors von Ferrari (1997-2006), der bei Honda weniger Erfolg hatte, dominierte die Testfahrten vergangene Woche in Barcelona. Und gestern produzierte Rubens Barrichello in dem von einem Mercedes-Motor getriebenen Boliden die erste Bestzeit bei den Tests Jerez. (red/(APA/Reuters/dpa)

ERGEBNISSE der Testfahrten in Jerez de la Frontera vom Dienstag: 1. Jenson Button (GBR) BrawnGP-Mercedes 1:17,844 (117 Runden) - 2. Nico Rosberg (GER) Williams-Toyota +0,227 Sek. (66) - 3. Nelson Piquet jr. (BRA) Renault 0,538 (128) - 4. Lewis Hamilton (GBR) McLaren-Mercedes 1,277 (118).

 

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