"Hitlers Papst" ins rechte Licht gerückt

17. März 2009, 16:53
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Ausstellung in München will mit negativem Image Pius' XII. aufräumen - "Verzerrung des Bildes hat keinerlei historische Grundlage"

München - Mit dem negativen Bild von Pius XII. als "Hitlers Papst" will eine Ausstellung in München aufräumen. "Die Verzerrung, die das Bild von Papst Pius XII. erfahren hat, hat keinerlei historische Grundlage", sagte der Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaft, Walter Brandmüller, am Dienstag zur Eröffnung der nicht unumstrittenen Schau. Das Komitee hatte die Ausstellung im vergangenen Jahr zum 50. Todestag von Pius XII. konzipiert, der mit bürgerlichem Namen Eugenio Pacelli hieß. Sie hat bereits in Berlin und Rom Station gemacht, bis zum 3. Mai ist sie in München zu sehen.

Auf großen Schautafeln werden in der ehemaligen Karmeliterkirche Fotos und historische Dokumente gezeigt, die Pacellis Leben und seinen Werdegang in der Kirche bis hin zum Papstamt dokumentieren. Ein Kapitel behandelt die Jahre 1917 bis 1925, in denen der in Italien geborene Pacelli in München als Nuntius den Heiligen Stuhl vertrat. Ein weiteres großes Thema ist sein Einsatz für verfolgte Juden im Zweiten Weltkrieg.

Theaterstück als Imageschaden

Nach seinem Tod 1958 sei Pius XII. bis in die 1960er Jahre sehr verehrt worden, erläuterte Brandmüller. 1963 wurde dann das Theaterstück "Der Stellvertreter" des deutschen Dramatikers Rolf Hochhuth uraufgeführt, in dem Pius XII. vorgeworfen wird, keinen Widerstand gegen Hitlers Regime geleistet und die Nationalsozialisten sogar unterstützt zu haben. Zwar sei historisch belegt, dass diese Vorwürfe keine Grundlage hätten, erklärte Brandmüller. Bis heute prägten sie aber das Bild Pacellis. "Die Ausstellung liefert eine umfassende Darstellung dieses Papstes", sagte Brandmüller. Dadurch werde jedem ermöglicht, sich eine eigene Meinung zum Thema zu bilden.

Die Schau stößt allerdings bei vielen Besuchern innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche auf Kritik: Viele wesentliche Fragen blieben ausgeklammert, eine kritische Auseinandersetzung mit der Figur Pius XII. und seiner Rolle bliebe aus. (APA/red)

Links
+ Süddeutsche Zeitung: So weiß wie die Lämmer
+ Stichwort: Pius XII.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Pius XII. auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1945.

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