Das alljährliche Gemetzel hat begonnen

17. März 2009, 16:21
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Kröten, Frösche, Molche und Salamander auf ihren Wanderungen zu den Laichplätzen von Straßenverkehr bedroht

Wien - Auch wenn der Winter nur langsam weichen will, haben sich bereits viele heimische Kröten, Frösche, Molche und Salamander auf ihre Wanderung von ihren Lebensräumen zu den Laich-Gewässern und zurück begeben. Damit verbunden ist auch ein alljährliches Gemetzel, wenn nämlich eine derartige Wanderroute eine Straße kreuzt. Trotz vereinzelter Gegenmaßnahmen sind die Verluste dramatisch, zumal der Verkehr nur eine der Bedrohungen für die Amphibien ist, sagte Bernhard Seidel, der als Amphibien- und Gelsenforscher laufend im Gelände unterwegs ist.

Unter den Amphibien sind die Braunfrösche die ersten, die im Frühjahr ihre Wanderungen zu den Laichgewässern unternehmen. Häufig sind sie sogar in noch teilweise vereisten Tümpeln und Weihern zu beobachten. Nicht lange nach den Braunfröschen kommen die Erdkröten. Besonders bei Regenwetter sind wahre Invasionen zu beobachten.

Krötenzäune nicht immer hilfreich

Nicht immer zum Schutz der Tiere vor dem Straßenverkehr dienen sogenannte Krötenzäune. "Vor allem die Varianten, bei denen die Tiere in Kübeln gefangen und dann vom Menschen über die Straße getragen werden, sind wenig hilfreich und sogar gefährlich, wenn sie nicht laufend betreut werden", erklärte Seidel. So hätten mittlerweile Füchse und Krähen die mehr oder weniger vollen Kübel als Quelle für Leckerbissen entdeckt.

An neuralgischen Stellen sollten daher aufwendigere Lösungen, wie höher gelegte Straßentrassen, überlegt werden. Außerdem sollten drastische Geschwindigkeitsbeschränkungen verhängt werden. Bei schnell fahrenden Autos müssen die Tiere nämlich gar nicht überrollt werden, um zu Tode zu kommen, es reicht der Luftsog. "Das gilt übrigens auch für Züge", so Seidel.

Gefährlicher Pilz

Das Problem ist, dass vor allem die Amphibien bereits mit zahlreichen anderen Problemen zu kämpfen haben. Neben dem Verlust an Lebensräumen, Feuchtgebieten und Tümpeln, dezimieren Pestizide nachhaltig die Insektenwelt als Nahrungsquelle für Frösche und Kröten. Noch nicht genug, wurde erst kürzlich eine seit langem grassierende Pilzerkrankung auch in Österreich nachgewiesen. Es handelt sich um den Chydrid-Pilz Batrachochytrium dendrobatidis, der in einigen Weltregionen nachweislich zu dramatischen Rückgängen der Amphibien geführt hat. (APA)

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    Es ist nicht nur der Straßenverkehr, der die heimischen Amphibienbestände gefährdet: Verlust von Lebensräumen, Pestizide und ein Pilz machen den Tieren zunehmend den Garaus.

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