"Nicht aus einem selbsterschaffenen Ghetto" rappen

17. März 2009, 14:42
17 Postings

Die Wiener Rap-Crew "Absolut HIV" über Tabulosigkeit und den Traum vom großen Geld

Wien - "Irgendwann hat uns wer angerufen und hat gesagt, dass wir bei "Willkommen Österreich" gewesen sind", erzählt der 20-jährige Rapper Ramses aus dem 20. Wiener Gemeindebezirk Brigittenau. "Wir haben uns selbst nicht dafür beworben", ergänzt Bandkollege Repko. Doch die TV-Sendung verhalf der jungen Rap-Crew auf einen Schlag zu einer breiteren Präsenz.

Alle völlig planlos

Das Rap-Trio Absolut HIV - bestehend aus den Brüdern Ramses und Fabio und dem 19-jährigen Simmeringer Repko - macht bereits seit 2006 Musik. Ihr Umfeld, das "nicht aus Maturanten oder Studenten besteht", spielt eine wichtige Rolle. Es liegt ein Hauch von Bitterkeit in der Stimme von Ramses, als er erzählt, dass in seinem Umfeld "keiner einen Plan hat". Woran das liegt? "Vielleicht am Bezirk oder an der Schule. Wenn ich jetzt im 19. Bezirk in die Schule gehe, kann ich mir schon denken, ich werde später Anwalt oder Arzt."

Selbst haben sie ihre Ausbildung nach dem Hauptschulabschluss beendet. Ihre ganze Energie wollen sie nun in ihr neues Video stecken, für das sie erstmals eine Firma beauftragt haben. Tabulosigkeit ist den Mitgliedern von Absolut HIV das Wichtigste. "Es sollte alles erlaubt sein", meint Ramses. Repko stimmt zu: "Wenn du etwas machen willst, dann mach es, scheiß drauf, was die anderen sagen."

Mit dem Begriff Ghetto, wie ihn manch deutsche Rapper verwenden, versucht Absolut HIV vorsichtig umzugehen, er sei als Inspiration zu verstehen. "Wir wollen nicht raus aus irgendeinem selbsterschaffenen Ghetto. Musik zu machen unterhält uns, und es gäbe theoretisch die Möglichkeit, damit Geld zu verdienen", sagt der 20-jährige Ramses. (Bath-Sahaw Baranow/DER STANDARD Printausgabe, 17. März 2009)

Share if you care.