Blackwater-Abzug schafft neue Probleme

17. März 2009, 17:17
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US-Außenministerium hat nicht genug Personal, um Konvois zu begleiten - Konkurrenz heuert entlassene Wachmänner an

Die Entscheidung des US-Außenministeriums, wegen des Todes von 17 Zivilisten ab Mai im Irak auf die Dienste des umstrittenen Sicherheitsunternehmens Blackwater zu verzichten, stellt die US-Diplomaten im Irak vor neue Probleme.

Zwei kleinere Mitbewerber, die US-Firmen DynCorp und Triple Canopy, sollen den Großteil der Blackwater-Aufträge übernehmen. Angesichts monatelanger Sicherheitsüberprüfungen und vorgeschriebener Zusatzausbildungen bleibt den Personenschützern kaum ein anderer Ausweg, als entlassene Mitarbeiter der kürzlich in „Xe" umbenannten Firma Blackwater anzuheuern, berichtet die Washington Post.

Teure Strafprozesse

Das im November 2008 unterzeichnete „Status of Forces Agreement", das Zivilmitarbeiter der US-Behörden der irakischen Gerichtsbarkeit unterstellt, sorgt für weitere Probleme. Obwohl bisher kein Amerikaner nach dem neuen Abkommen festgenommen wurde, wollen sich die Firmen gegen teure Strafprozesse absichern. So wies die Firma BAE Systems, die im Rahmen des „Human Terrain"-Programms Sozialwissenschafter und Linguisten zur Verfügung stellt, ihre im Irak beschäftigten Mitarbeiter im November an, bis auf weiteres US-Militärstützpunkte nicht zu verlassen.

Steve Fondacaro, der Leiter des Programms, das beim Militär mehr Verständnis für die Bevölkerung erzeugen soll, ist empört: „Ich zahle exorbitant hohe Löhne für Leute, denen ihre Firma keinen Rechtsschutz anbietet und ihnen empfiehlt, nicht rauszugehen, um Iraker zu treffen", sagte er, „diese Mission kann man wohl als gescheitert betrachten".

Mehr Zivilisten als Soldaten

Im Irak waren erstmals mehr private zivile Auftragnehmer als US-Soldaten im Einsatz. Da bei einem Abzug der Truppen auch weniger Versorgungskonvois benötigt werden, wird es in Zukunft weniger Jobs in dieser Branche geben. General Ray Odierno, der Kommandant der US-Truppen im Irak, hat alle Militäreinheiten angewiesen, pro Quartal fünf Prozent der bisher an Privatunternehmen vergebenen Aufträgean irakische Anbieter zu vergeben.

Auch das US-Außenministerium klagt über Personalprobleme: Condoleezza Rices Anordnung, dass in jedem von Privatsecurities bewachten Konvoi ein Regierungsbeamter mitfahren muss, sei kaum zu erfüllen. Das „Bureau of Diplomatic Security", das diese Aufgabe übernehmen soll, verfügt auf der ganzen Welt lediglich über 1.600 dafür ausgebildete Mitarbeiter, die eigentlich für den Schutz der US-Botschaften sorgen sollten. Jetzt werden neue Posten ausgeschrieben: für die neugeschaffene Jobkategorie „Protective Security Spezialist" ist eine weniger intensive Ausbildung vorgesehen, dafür beträgt das Gehalt auch nur 52.221 Dollar pro Jahr.

Neue Aufträge gesucht

Präsident Obamas Ankündigung, in Zukunft keine Aufträge, die eigentlich Regierungssache sind, an Private mehr zu vergeben, schürt in der Branche Krisenstimmung. Statt der lukrativen Staatsaufträge (Söldner verdienen ein Vielfaches eines Soldaten) müssen sich die Unternehmen jetzt um neue Einsatzgebiete kümmern.

Bei einer Werbeveranstaltung in Hamburg bemühte sich Anfang März ein „Xe"-Vertreter um deutsche Reeder. Die Piratenüberfälle auf Frachtschiffe am Horn von Afrika lassen Wachfirmen auf gute Geschäfte hoffen. Blackwater/Xe hat jedenfalls schon ein ausgedientes Forschungsschiff umrüsten lassen: die McArthur könnte jederzeit ans Horn von Afrika auslaufen, wenn sich ein Auftraggeber findet. (bed/derStandard.at/17.3.2009)

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