"Man muss nicht alles haben"

17. März 2009, 13:00
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Gesellschaft der Schulärzte startet österreichweites Semesterprojekt - Sexuell übertragbare Krankheiten als erster Schwerpunkt

Wien  - Unter das Motto "Man muss nicht alles haben" stellt sich das erste Semesterprojekt der neu gegründeten Gesellschaft der Schulärztinnen und Schulärzte Österreichs (GSÖ). "Aufklärung im Rahmen der Schule ist dringend nötig", erklärte Judith Glazer, Präsidentin der GSÖ den aktuellen Schwerpunkt "Sexuell übertragbare Krankheiten" am Dienstag in Wien. Denn Klassiker wie Syphilis und Gonorrhoe (Tripper) erleben derzeit eine wahre Renaissance.

Syphillis und Gonorrhoe boomen

Sexuell übertragbare Erkrankungen können ausschließlich oder hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr übertragen werden. In Österreich wurde in den letzten Jahren ein regelrechter Boom dieser Krankheiten beobachtet. Syphilis etwa stieg seit 1993 mit 124 gemeldeten Fällen um mehr als das Dreifache - im vergangenen Jahr mussten bereits 520 Erkrankte behandelt werden. "Die GSÖ hat sich der Aufgabe verschrieben, dieses Wissensdefizit zu füllen und Schüler vor dem ersten sexuellen Kontakt aufzuklären", so Glazer über die notwendige Bewusstseinsbildung in Schulen.

Ahnungslosigkeit unter Jugendlichen

60 Prozent aller Mädchen gaben im Rahmen einer 2008 durchgeführten Studie der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung an, Angst vor einer möglichen Ansteckung nach dem Geschlechtsverkehr zu haben. Dazu stoße Unwissenheit vor den Erkrankungen selbst als auch die Frage, an wen man sich im Falle einer Krankheit wenden könne. "Mit dem Projekt soll auch die Eigenverantwortung der Jugendlichen angesprochen werden", lautete der Appell von Dermatologin und Venerologin Angelika Stary. "Viele Jugendliche sind bereits infiziert ohne selbst davon zu wissen und geben die Erkrankungen ahnungslos an ihre Sexualpartner weiter."

Täglich infizieren sich bis zu zwei Österreicher mit HIV und Syphilis, bei Gonorrhoe kommen sogar bis zu drei Neuinfektionen hinzu - die Dunkelziffer liege laut den Experten aber wesentlich höher. Von Herpes genitalis ist jeder fünfte betroffen, zehn Prozent leiden zumindest einmal an Genitalwarzen. Unfruchtbarkeit im Erwachsenenalter kann ihren Ursprung in einer bakteriellen Erkrankung etwa durch Chlamydien haben, mindestens fünf Prozent aller Jugendlichen und Erwachsenen sind davon betroffen. "Das Krankheitsbild ist oft asymptomatisch und wird erst dann erkannt, wenn die Betroffenen einen Kinderwunsch verspüren", so Stary.

Leitfaden anfordern

Der aktuelle Semesterschwerpunkt richtet sich vor allem an Schüler ab der achten Stufe. Ein Webportal mit Informationen und Fotos der Erkrankungen soll den Jugendlichen das Projekt näher bringen. In den kommenden zwei Wochen wird ein Ansichtsexemplar der gesammelten Unterlagen an alle heimischen Schulen per Post verschickt. Das gesamte Material, darunter ein Leitfaden sowie Lehrunterlagen, kann von den Lehrern oder dem jeweiligen Schularzt daraufhin angefordert werden. Auch außerhalb des Unterrichts können sich die Schüler aktiv am Projekt beteiligen, so etwa gibt es nach einem Online-Wissens-Check Preise wie Digicams oder Mp3-Player zu gewinnen. (APA)

 

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