ATV droht mit Abzug von "Wertschöpfung"

17. März 2009, 12:52
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Bereiche könnten von Österreich nach Deutschland ausgelagert werden - Regierung lasse die Privaten allein

Der österreichische Privatsender ATV überlegt derzeit ernsthaft, "Wertschöpfung aus Österreich abzuziehen", wie ATV-Pressesprecherin Alexandra Damms bestätigte. Im Raum steht, dass ATV einzelne Bereiche, wie zum Beispiel die Sendeabwicklung, nach Deutschland auslagert, wo ATV-Eigentümer Herbert Kloiber mit seiner Tele München Gruppe residiert. Grund für die Überlegungen sind die Wirtschaftskrise und die Einbrüche am Werbemarkt sowie die Politik, die den Privatsendern die versprochene Medienförderung vorenthält.

110 fix angestellte Mitarbeiter

"Der Ball liegt bei der Politik", sagte Damms der APA. Wenn die Regierung die Privatsender alleinlasse, müssten sich diese verstärkt nach Sparpotenzial umsehen. Eine Auslagerung werde dabei in Betracht gezogen - konkrete Detailpläne gebe es aber noch nicht. ATV beschäftigt derzeit 110 fix angestellte Mitarbeiter. Mittel- und unmittelbar arbeiten laut Damms bis zu 500 Österreicher für den Sender.

Den heimischen Privatsendern wird seit Jahren eine Medienförderung in Aussicht gestellt. Zuletzt wurde deren Höhe mit 20 Millionen Euro angegeben. Im Koalitionsabkommen der aktuellen Regierung hieß es, die Medienförderung für Private soll "unter Berücksichtigung neuer Finanzierungsformen" geprüft werden. Ob es demnächst zu einer Förderung kommt, dürfte spätestens bei der Budgetrede am 21. April bekanntwerden - im Büro von Medienstaatssekretär Josef Ostermayer (S) wollte man sich dazu derzeit nicht äußern.

"Indirekte Hilfe"

Den Privaten werde aber schon jetzt indirekt geholfen, meinte Ostermayer-Sprecher Marcin Kotlowski. Er verwies auf den Film- und Fernsehfonds, der heuer eine "klare und spürbare" finanzielle Aufstockung erhält. Außerdem habe Österreich "als eines der ersten Länder in Europa den ersten Teil der Richtlinie für audiovisuelle Medien bereits umgesetzt, um gerade diesem Sektor zu helfen", so Kotlowski: "Wir helfen den Privatmedien also in dem Rahmen, der uns angesichts der Entwicklung der Wirtschaft möglich ist." (APA)

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    ATV-Chef Ludwig Bauer.

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