Vergiss nicht zu trinken!

Regina Philipp
26. März 2009, 20:34
  • Auf das Gefühl Durst darf man sich verlassen. Ignorieren sollte man es nicht.
    foto: dpa/wolfgang kumm

    Auf das Gefühl Durst darf man sich verlassen. Ignorieren sollte man es nicht.

Keine Angst vor Austrocknung - Die positive Wirkung des hohen Wasserkonsums wird weit überschätzt



Arne Hahn aus Purkersdorf fragt: Muss man täglich drei Liter trinken?

8 x 8 - Die weltberühmte Formel ist nicht der Name eines Deodorants, sondern eine allgegenwärtige Mahnung, die sich auf das Trinken von Wasser bezieht. Ausformuliert besagt sie Folgendes: „Drink at least eight 8-oz glasses of water a day". Oder zu Deutsch: Acht Gläser beziehungsweise bis zu drei Liter Flüssigkeit braucht der Mensch, um seinen Körper gesund zu erhalten. Koffein- und alkoholhältige Getränke exklusive.

Diese Forderung - so wird es kolportiert - wurde von der Food and Nutrition Board of the National Research Council vor rund 60 Jahren in die Welt gesetzt. Im Detail lautete jedoch die Empfehlung von damals: 2,5 Liter Wasser ist die angemessene tägliche Ration für einen erwachsenen Menschen. Pro gegessener Kalorie sollte die Aufnahme von durchschnittlich einem Milliliter Wasser erfolgen. Das meiste davon - so stand es bereits damals geschrieben - war schon im Essen selbst zu finden.

Der letzte Punkt interessierte offenbar niemanden, denn seit damals sind Menschen stetig darum bemüht zu trinken, was das Zeug hält. Und das mit Absegnung unzähliger medizinischer Experten und Institutionen.

Haltlose Empfehlung

Einer der dieser Obsession des permanenten Trinkens nicht folgen wollte, war der amerikanische Physiologe Heinz Valtin. Er hegte Zweifel an 8 x 8 und konnte auch nach intensiven Recherchen nicht eruieren, wie es zu dieser Empfehlung eigentlich kam. In einer umfangreichen Studie hat er seine Bedenken im „American Journal of Physiology" schon vor Jahren zum Ausdruck gebracht.

Zugegeben, die Argumente die für eine prophylaktische Wasserzufuhr sprechen, sind gar nicht so schlecht. Angeblich verbessert ausgiebiges Trinken die Funktion aller Organe im menschlichen Organismus, insbesondere die der Nieren. Dazu kommt eine präventive Wirkung gegen Krebs, kardiovaskuläre Erkrankungen, Nierensteine, Verstopfung, trockene Haut und Depressionen. Wahrheit oder reine Spekulation? Wie zuvor Valtin, fanden auch die beiden Wissenschaftler Dan Negoianu und Stanley Goldfarb von der Universität of Pennsylvania in Philadelphia keinen Beweis für den gesundheitlichen Benefit, der angeblich aus dem übermäßigen Trinken resultiert. Ihre Studie "Just Add Water" wurde 2008 im Journal of the American Society of Nephrology publiziert.

Alles inklusive

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin hält sich an die amerikanische Vorgabe aus dem Jahr 1945. Sie empfiehlt gesunden Personen täglich 2,3 Liter Wasser zu trinken. Und jetzt bitte weiterlesen, denn ab jetzt wird's erst spannend: Ein Drittel dieser Flüssigkeit stammt aus fester Nahrung. Kaffee und Tee dürfen in die Trinkbilanz einberechnet werden, genauso wie alkoholische Getränke bei maßvollem Konsum.

Was übrig bleibt, ist also gar nicht so viel. Und auf das Gefühl Durst darf man sich ebenfalls verlassen. Es kommt nicht zu spät, wie vielfach angenommen, denn sonst wäre der Mensch ja sein Leben lang vor Austrocknung bedroht. Darüber hat sich 2002 auch Valtin schon gewundert, genauso wie über den Mythos, dass dunkler Urin ein Zeichen von Dehydrierung sein soll.

Dass der Mensch nicht länger als ein paar Tage ohne Zufuhr von Wasser überlebt, ist hinlänglich bekannt. Ebenso wie die Tatsache, dass der Bedarf nach Flüssigkeit bei Hitze und intensiver sportlicher Aktivität entsprechend höher sein muss. Der Aufenthalt in einem gemäßigtem Klima ist jedoch entgegen der allgemein gültigen Meinung nicht Anlass genug für zwanghaftes Trinken. (Regina Philipp, derStandard.at, 26.03.2009)

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Der Mensch braucht 3 Liter Wasser am Tag!

Eines muss ich schon vorweg diesem Artikel absprechen. Jeder Mensch ist ein Idivideum desshalb soll man seine Ernährung und sein Trinkverhalten auf jeden einzelnen reduzieren. Das heißt im Klaren, dass
jeder einen anderen Wasserhaushalt hat, welcher zum größten Teil vom Körpergewicht abhänging ist.

Aus diesem Grund ist die aus meiner Sicht beste Formel für unseren Wasserkonsum Körpergewicht x 0,03 (3% vom Körpergewicht).

Wasser trinken hat noch einen großen Vorteil.
Man verbraucht dabei Energie. = Wasser trinke macht schlanker. Wünsch euch viel Spass beim Ausprobieren.

"Sie sind nicht krank, Sie sind durstig!"

"Sie sind nicht krank, Sie sind durstig! Behandeln Sie Ihren Durst nicht mit Medikamenten!" Diese provokante These meint der weltbekannte iranische Arzt und Bestsellerautor Dr. med. Fereydoon Batmanghelidj wörtlich.
Ich gestehe, ich habe eines seiner Bücher ("Sie sind nicht krank, sie sind durstig: Heilung von innen mit Wasser und Salz") mit Interesse gelesen und versuche nach einer (perpheren) Lungenembolie doch ein wenig mehr zu trinken als vorher. Schaden tut es mir jedenfalls nicht, wenn ich auch öfter um die Ecke muss...

Sehr vernünftig!

Aber aufs Salz nicht vergessen, sonst kann das Wasser in den Blutgefäßen nicht gebunden werden und versackt im Gewebe oder rinnt bestenfalls gleich wieder raus.

Die Sache ist eigentlich ganz einfach:


Jeder Mensch soll soviel trinken, wie er glaubt, zu brauchen (vom Gefühl her braucht). Das wird jeden Tag anders sein und ist auch von der Temperatur abhängig.

Sich zu zwingen, weiterzutrinken, wenn es nicht mehr geht (benötigt wird), ist sicher falsch.

Es sei denn, es gäbe handfeste medizinische Gründe (zum Beispiel eine Nierenkolik).

Wie war das mit der Amerikanerin, die 4Liter Wasser an einem Tag getrunken hatte, und daran starb....

wahrscheinlich hat sie sich vier liter wasser injeziert.

soweit ich mich erinnere...

... waren das 7 Liter Wasser. Und auch nur wegen einer Wette.

also der einzige mensch der je an einer überdosis wasser gestorben ist war amerikaner. der hatte mehrere liter wasser (bis zu 10) täglich getrunken und das über mehrere jahre. das wasser war eiskalt. grund waren zahnschmerzen die der gute nicht vom zahnarzt bahndeln lassen wollte.

also der einzige Mensch...

... von dem sie gehört haben vielleicht.
Es ist auch ein Fall von einer Läuferin bekannt, die während eines Marathons an Überdruck im Gehirn gestorben ist, was Ärzte als Folge von zu viel getrunkenem Wasser feststellten.

Im Standard ist vor 1-2 Jahren mal die Nachricht von einer Frau gewesen die wegen einer Wette(!) so viel Wasser wie möglich getrunken hat. Ob das jetzt 7 Liter waren weiß ich nicht. Woran sie dann gestorben ist weiß ich nicht mehr, aber wird vermutlich ein Hirnödem gewesen sein.

"Frau stirbt nach Wett-Trinken"

http://www.zeit.de/news/arti... /88419.xml

Offensichtlich geht das aber nur mit Wasser, wenn man mit großen Mengen Flüssigkeit genug Salz und Nährstoffe aufnimmt, passiert auch bei großen Mengen Flüssigkeit nichts.

dunkler Urin ein Zeichen von Dehydrierung sein soll.

deswegen geht es mir nach dem 6. Bier immer so gut, wenn ich auf dasWC gehe und transparent vor mich hin strahle...

Und das obwohl Bier auch gelb ist ...

Die Dunkle Farbe im Urin kommt von diversen Giftstoffen welche durch die Nieren abgesondert und ausgeschieden werden. Also kein Wassermangel.

Auch die Lymphen benötigen Wasser um ihre entgiftenden Schleimbeuteln zu stärken. (Ganz wichtig)

Kaffe oder auch Bier sind schwer OK. (in maßen/und mit Freunden;-))))))
Das allerwichtigste ist aber positives Denken. (da gibt es einen japanischen Forscher der die kristalline Eigenschaften des Wassers auf Grund von gedanklichen Schwingungen erforscht )

alter schwede...

...das grenzt schon an hildegard von bingen...
ui ui ui

die sogenannten "schleimbeutel", oder bursen genannt, sind gleitkissen an großen gelenken.

die lymphbahnen besitzen solche nicht...und "entgiften" auch nicht, damit sind die leber und die nieren genug beschäftigt.

Wenn man aber die gleiche Menge Giftstoffe in mehr Wasser löst, sollte der Urin dann nicht heller werden?

Und vielleicht ist es ja besser, der Niere (bzw. dem gesamten Körper) mehr Wasser zur "Reinigung" zur Verfügung zu stellen. Hilft bei mir nach einem Kater immer ;)


Wenn die Urinfarbe über längeren Zeitraum gelb bleibt, kann das für eine beginnende Gichterkrankung sprechen.

?

Urin ist gelb - deshalb heisst es auch - don't eat yellow snow :)

Und die Farbe der Giftstoffe wäre nicht etwas heller, wenn man mehr Wasser getrunken hätte? Wenn Sie Kleidung mit der Hand waschen, würden Sie eher mehr oder weniger Wasser nehmen?


Joghurt wirkt Wunder bei gelbem Urin, was für dieses Milchprodukt spricht.

Ich hab's ja immer gewußt...

diese ewige Quälerei mit dem "genug trinken"... Endlich aus und vorbei! Dank des Artikels hab ich jetzt kein schlechtes Gewissen mehr, wenn ich mich auf mein Durstgefühl verlasse und zu trinken aufhöre, wenn ich sitt (*hihi*) bin!

anzumerken sei, dass menschen im alter das durstgefühl teilweise verlieren können und dann tatsächlich zu wenig trinken.

Das mangelnde Durstgefühl bei älteren Menschen kommt aber auch nicht von selber. Sondern das entsteht, weil ihnen in der Regel Salz und Kaffe verboten werden. Erst mit Salz kann der Körper das Wasser binden, und mit Kaffee funktioniert auch die Reizleitung wieder. Dann passt wieder alles.

die Empfehlungen sind noch viel älter:

"die Erfahrung lehrt, dass ein Erwachsener täglich 2,2-3,5 Liter Wasser aufnehmen muss" in "Die Ernährung des Menschen" von 1887. Von in Nahrungsmitteln erhaltenem Wasser ist darin nicht die Rede.

Also ...

... leicht wird es einem nicht gemacht. Einmal ja, dann wieder nein. Was heute gilt is morgen falsch. Eigentlich kann man´s ja nur verkehrt machen.

... Ich stell mir jetzt einen Liter Wasser rein...

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