Der ORF ist für Österreich zu groß

16. März 2009, 21:59
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Wrabetz: Über Größe entscheidet die Politik - Weniger Werbung und mehr Gebührengelder für ORF-Chef mögliches Zukunftsszenario

Die Krux des ORF ist, dass er "für Österreich zu groß geraten ist", meint Horst Pirker, Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und Vorstandschef der Styria. Eine Zeit lang könnte der ORF dieses Problem noch vor sich her schieben, irgendwann werde er aber von dieser Tatsache eingeholt, prophezeite Pirker bei einer vom Österreichischen Journalistenclub organisierten Podiumsdiskussion am Montagabend. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hielt entgegen, die Entscheidung, wie groß das Land den ORF haben möchte, müsse die Politik treffen.

Sollte es zu einer Teilprivatisierung des ORF kommen, wolle sich die Styria diesen Teil "nicht einverleiben", sagte Pirker auf Vorwurf des ORF-Journalisten Lorenz Gallmetzer, die Styria wolle sich in Abwechslung mit Raiffeisen den ORF "unter den Nagel reißen". "Das wäre geradezu ruinös für uns, das wäre eine Größenordnung, die uns umbringen würde", so der Styria-Chef.

Thema ORF-Sonderregelungen

Im derzeitigen ORF sei es jedenfalls die Aufgabe des Managements, "den Auftrag kostengünstig zu erfüllen" und jene Vorgaben zu bereinigen, die historisch ihre Berechtigung hatten aber mittlerweile überholt seien, betonte Wrabetz. Er spielte damit auf jene ORF-Sonderregelungen an, die unter "meinen Vor-Vor-Vorgängern ausverhandelt wurden", und die es nun im Rahmen der Sparmaßnahmen zu überprüfen gilt. Dies werde allerdings nur "Schritt für Schritt" funktionieren - "es ist illusorisch, zu glauben, dass Sozialsysteme, die quasi in Stein gemeiselt sind, nun 'wegmassiert' werden können".

"Neue Balance" am Werbemarkt

Einen Lösungsansatz für die Finanzlage des ORF, aber auch seiner heimischen Konkurrenz kann sich Wrabetz in einer "neuen Balance" am Werbemarkt vorstellen. Der ORF könnte sich aus dem Werbemarkt deutlich zurückziehen - von einem Ausstieg wollte der ORF-Chef nicht sprechen - und stattdessen etwa einen Großteil jener Gelder bekommen, die Bund und Länder unter dem Titel Rundfunkgebühren kassieren. Dass dies ein aktuell realistisches Szenario sein könnte, glaubt Wrabetz nicht: "Ich werde von der Regierung jetzt sicher keine 240 Millionen Euro bekommen - keine Sorge."

Wrabetz warnte auch davor, dass derzeit - nicht nur im elektronischen Medienbereich - aufgrund der Finanzkrise ein Preiskampf am Werbemarkt stattfinde. Auf Dauer stelle sich die Frage, ob man, "wenn sich die Realwirtschaft wieder erholt hat, die Preise wieder auf ein angemessenes Niveau bringen kann, oder ob ein anhaltender Preisverfall stattfindet". Dies hätte seiner Meinung nach Auswirkungen auf die Qualität der Medienerzeugnisse. (APA)

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