Kirche mobilisiert gegen Liberalisierung in Spanien

16. März 2009, 20:27
2 Postings

Acht Millionen Broschüren und 30.000 Protestplakate im Umlauf - Reformentwurf sieht straffreie Abtreibung bis zur 14. Woche vor

Madrid - Die Katholische Kirche Spaniens hat am Montag eine Protestkampagne gegen die unter der sozialistischen Regierung geplante Liberalisierung der Abtreibungsgesetze gestartet. Unter dem Motto "Schütz mein Leben" wurden landesweit acht Millionen Broschüren sowie 30.000 Protestplakate in allen spanischen Kirchengemeinden und katholischen Zentren verteilt, in denen sich die spanische Bischofskonferenz gegen die geplante Liberalisierung der Abtreibung stellt. In den Straßen spanischer Städte werden Plakate aufgehängt, die suggerieren, dass ein aussterbendes Tier in dem Land besser geschützt sei als ein Kleinkind.

Rund 1.300 Straßenplakate in insgesamt 36 Städten verurteilen die geplante Erleichterung von Schwangerschaftsabbrüchen in Spanien. Die Plakate zeigen ein Baby und einen Luchs. Während das vom Aussterben bedrohte Tier in Spanien gesetzlich geschützt ist, fragt sich das "Kleinkind", warum es nicht auch den Schutz des Staates genießt. Die Kampagne, die bis zum 30. März läuft, soll zusätzlich in den Mittelpunkt der Gottesdienste rücken, erklärte ein Sprecher der Bischofskonferenz am Montag in Madrid.

"Präventiver Protest"

Obwohl dem Parlament noch kein endgültiger Reformtext zur Abstimmung vorliegt, sah sich die Kirche mit Blick auf den Entwurf eines Reformtextes durch eine parlamentarische Expertenkommission sowie durch die in der Bevölkerung zunehmende Akzeptanz für eine Lockerung der Abtreibungsgesetze zu einem präventiven Protest genötigt, erklären Spaniens Bischöfe in einem offiziellen Kommuniqué.

Der Reformentwurf sieht eine straffreie Abtreibung bis zur 14. Schwangerschaftswoche vor. Zudem sollen Minderjährige ab 16 Jahren zukünftig eine Abtreibung ohne das Einverständnis ihrer Eltern vornehmen lassen dürfen. Bisher sind Abtreibungen in Spanien verboten. Das seit 1985 geltende Abtreibungsgesetz gestattet nur drei Ausnahmefälle. So können Abtreibungen bis zur zwölften Woche nach einer Vergewaltigung vorgenommen werden, in den ersten 22 Wochen bei Missbildung des Fötus sowie ohne zeitliche Begrenzung bei Gefährdung der physischen oder psychischen Gesundheit der werdenden Mutter. (APA)

Share if you care.