Kolumne: WSV - Über Jäger, Sammler und Gustierer am Winterschluss

12. März 2003, 12:10
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Die finale Meinung von Nicola Werdenigg zu der sich zu Ende neigenden Saison

Riesige Prozentzeichen, bunte Werbetafeln und markante Schriftzüge an den Schaufenstern der Stadtgeschäfte. Schon seit Wochen überschlagen sich die Händler mit Billigangeboten. Etwas später strebt auch der Greissler im Bergdorf, der sich in eine avantgardistische Sportboutique für den sehr gehobenen Geldbeutel verwandelt hat, dem zweiten Höhepunkt der Verkaufssaison entgegen: dem Winterschlussverkauf (WSV); ab März reduziert der alpine Laden mit Weltstadtflair die gesamte Ware um mindestens die Hälfte. Radikal.

Preiskampf

Die Rennsaison neigt sich für Athleten und Funktionäre dem Ende zu. Zum würdigen Abschluss veranstaltet der kleine Wintersportverein (WSV) seine lokale Meisterschaft, der Weltskiverband den globalen Schlussakt. Im Mittelpunkt steht da wie dort, für Akteure und Publikum, neben spannenden Rennen, Duellen und dem letzten Trumpf, besonders die Preisverteilung. Der finale Gabentisch ist gedeckt, bei der Rangverkündigung werden Pokale, Medaillen, Schecks und Siegerkränze - trosthalber solche auch aus Wurst - verteilt. Trostpreise sind allerdings nur den Amateuren vorbehalten; wer im Rennen um die FIS Globuli herkugelt, bekommt auch keine Extrawurst.

Sommerkollektion

Der Anfang März zu beobachtende Wintersportverdruss (WSV), trifft viele. Skistars, die fünf Monate nach Sternen griffen - diese manchmal auch rissen – schalten ab; Zuschauer mit Symptomen von Schneeblindheit schalten um - Formel 1 und Fußball locken; Hobbysportler, die schon seit Altweibersommer Bergpistenluft aspirieren, wollen zur Abwechslung in Drahteselherden durch Täler transpirieren. Der Winterfremdenverkehr kommt um diese Jahreszeit ins Stocken. Es locken zwar Firnpauschalen und Sonnenskigarantien, doch unfassbares geschieht: Es ist Ostern und keiner geht hin!

An dieser Stelle möchte ich mich von den „Innenski“ Lesern verabschieden - die lange Wintersaison neigt sich dem Ende zu. Mich zieht es jetzt in die Berge, in die Sonne und auf leere Hänge. Auch Schnee ist dort noch ausreichend vorhanden und zwar genau in jener Qualität, die Feinschmeckern unter den Skis zergeht wie zartes Zitronensorbet auf der Zunge. Also genau das richtige Dessert zur Einstimmung auf die warme Jahreszeit. Wer seinen Appetit auf Skifahren noch nicht durch frühzeitige Gletscherstürme und überfüllte Kunstschneeautobahnen verdorben hat, findet jetzt wunderbares Skivergnügen (WSV).

So long, man trifft sich – im Firn!

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www.kunstpiste.com kurven, schnee und menschen eine schneegazette von nicola werdenigg & friends

NACHLESE

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--> Zeitgeist
--> Hickory und Chips
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--> Gedanken zum Thema Skistock
--> Das Kriterium des ersten Schnees

Die Skikolumne von Nicola Werdenigg

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