Tarnung ist alles

11. März 2003, 21:48
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Grazer erforschen Tricks von Heuschrecken - FWF-Projekt im Panamakanal ist verschiedenen Überlebensstrategien auf der Spur

Graz - Tarnen und Täuschen ist bei Tieren eine oft angewandte Strategie, wenn es darum geht, Feinde abzuwehren. Besonders dann, wenn es sich um geradezu ideale Nahrungslieferanten handelt, entscheidet deren Taktik über Leben oder Tod.

Grazer Forscher sind im Rahmen eines FWF-Projekts (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) derzeit in Mittelamerika den Tricks von Heuschrecken auf der Spur, um Fressfeinde abzuwehren. Sie gleichen sich bei Gefahr derart täuschend ähnlich ihrer Umwelt an, dass sie selbst für ihre tierischen Feinde kaum mehr auszumachen sind.

Ideale Proteinlieferanten

Der Leiter des Instituts für Zoologie an der Universität Graz, Heinrich Römer, untersucht noch bis Jahresende auf einer Insel im Panamakanal Strategien von Heuschrecken, die als geradezu ideale Proteinlieferanten bei vielen tagaktiven Tieren, aber auch bei nächtlichen Räubern wie Fledermäusen, als Nahrungsquelle heiß begehrt sind.

Bei den bisherigen Untersuchungen stellte sich heraus, dass sich auch diese Insekten diverser Tricks bedienen, die bei anderen Tierarten Gang und Gäbe sind: Mimese und Mimikry sind demnach auch bei Heuschrecken die häufigste Strategie, um Todfeinde abzuwehren.

Nachahmung

Die Tiere ahmen Gestalt, Färbung und Zeichnung von Strukturen ihrer Umwelt oder - noch listiger - von anderen, ungenießbaren Insekten nahezu perfekt nach. So gibt es nach den Erkenntnissen des Grazer Wissenschafters Heuschrecken, deren Flügel bis ins kleinste Detail welkem Laub gleichen, manche wiederum sind bei Gefahr in Verzug äußerlich kaum mehr von Wespen zu unterscheiden.

Bei anderen Arten versuchen wiederum Männchen, ihre "Stimme" so zu verstellen, dass sie nicht einmal mehr von ihren gefährlichsten Feinden, den Fledermäusen, geortet werden können: Besonders in Vollmondnächten ist dann nicht mehr der typische Gesang, sondern nur mehr ein Vibrieren auszumachen, während bei Neumond der Lärmpegel messbar höher ist.

Schutz durch Dornen

Als brauchbare Strategie hat sich auch noch der Schutz in dornigen Bromelien-Gewächsen erwiesen. Diese tropischen Pflanzen bieten durch scharfe seitliche Dornen zwar verlässlichen Schutz, sind aber ihrerseits keine brauchbare Nahrungsquelle. Die gejagten Tiere müssen in der Nacht die schützende Behausung verlassen, um zu fressen oder sich zu paaren. (APA)

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FWF

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    derstandard.at
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