Telefonieren? Nur noch Zubehör

11. März 2003, 21:03
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Das Zeitalter der gewöhnlichen Telefonie hat Nokia verlassen: Keiner kauft heute mehr ein Handy, nur weil es telefonieren kann, sagt Nokia-Vizepräsident Anssi Vanjoki

Irgendwann im vergangenen Jahr "haben wir die Wende von der Sprachtelefonie zu einer anderen Form der Mobilität vollzogen", sagt der für Handys zuständige Nokia-Vizepräsident Anssi Vanjoki bei seiner jährlichen Präsentation am Vortag der CeBIT, die heute in Hannover eröffnet. Und obwohl Nokias Hauptkunden, die Mobilfunkbetreiber, "in keinem sehr erfreulichen finanziellen Zustand sind, begeben wir uns jetzt auf die nächste Stufe", prophezeit Vanjoki.

Die nächste Stufe

Nur - was diese nächste Stufe des Handygebrauchs sein wird, das scheint derzeit in der Industrie noch keiner so richtig zu wissen. "Viele haben versucht herauszufinden, was Konvergenz eigentlich ist", sagt Vanjoki, aber so genau lässt sich das offenbar nicht sagen, nur diese Umrisse seien bekannt: Weitere Funktionen, "smarte" Handys, und vor allem: viele bunte Bilder.

Schwarz-Weiß nur noch für Entwicklungsländer

Sieht man sich die aktuelle Palette der Nokia-Handys an, die hier bei der CeBIT Revue passieren, kann man die nächste Stufe der Mobilität erahnen. Sie ist farbig (schwarz-weiße Schirme gibt es nur noch auf einem für Entwicklungsländer gedachten Einstiegsgerät); sie hat teils Tastaturen zum Schreiben, wie das im April auf den Markt kommende 6800-Klapphandy; und bei immer mehr Handymodellen wird die Kamera einfach integriert. Im Weihnachtsgeschäft, sagt Vanjoki stolz, war das Nokia 7650 nicht nur das meistverkaufte Kamerahandy, sondern die meistverkaufte Digitalkamera.

Bilder und Musik

Bilder und Musik sind die Themen, die Nokia dem heurigen Jahr verordnet: In diesen Wochen kommt das Nokia 3650 um 500 Euro (ohne Betreibersubventionen) auf den Markt, das "Streaming Video" auf das vergrößertes Display bringt. Das Handy kann wie ein Videorekorder den Bilderstrom auch aufzeichnen oder mit eingebauter Kamera selbst knipsen. Und Musik: Im Herbst erscheint das Nokia 3300, das vor allem bei Kids dank seiner Fähigkeit punkten soll, Musik mit eingebauten Lautsprechern wie ein Mini-ghettoblaster zu spielen.

Besonderes Augenmerk legt Nokia inzwischen darauf, mehr Wert aus seiner existierenden Kundenbasis durch weiteres Gerät zu schöpfen. Neu im Programm: Eine Bluetooth-Station, mit der Bilder aus der Kamera als Diashow auf einem TV-Gerät abgespielt werden können.(Helmut Spudich aus Hannover/Der Standard, Printausgabe vom 12.3.2003)

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    foto: nokia
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