B.A.I. dementiert Gerüchte über einen möglichen Ausstieg aus Hochhausprojekt

11. März 2003, 20:35
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Bürgermeister Michael Häupl will sich "verschlossen wie eine Auster" geben - doch langsam nehmen mögliche Ausstiegsszenarien Konturen an

Wien/Graz - Dass der Bauträger B.A.I. gerüchteweise kurz vor dem Absprung vom Hochhaus-Projekt Wien-Mitte stehe, kann Bürgermeister Michael Häupl nicht bestätigen: "Meinen Informationen nach rechnen die noch. Das sollen sie in Ruhe tun und wenn sie damit fertig sind, werden sie zu mir kommen", erklärte er am Dienstag. Und auch seitens der Bauträger Austria Immobilien (B.A.I.) werden diese Gerüchte dementiert: "Wir arbeiten weiter an der Projektrealisierung", betonte eine Unternehmenssprecherin.

Auch sonst wollte sich Häupl "verschlossen wie eine Auster" geben - dennoch nehmen mögliche Ausstiegsvarianten für den Fall der Fälle langsam Konturen an. Wie DER STANDARD berichtete, stellt Häupl auch ein Alternativprojekt in Aussicht - am Dienstag erklärte er aber, dieses befinde sich noch "im Embryonalstadium". Nicht vorstellbar sei, dass ein völlig neuer Investor das gleiche Projekt realisiere: "Wenn es sich für die B.A.I. nicht rechnet, warum sollte es dann auf einmal für jemand anderen wirtschaftlich sein?"

Das Projekt muss mit dem Welterbe kompatibel sein

Eines will sich Häupl allerdings noch offen lassen - dass die beim Wien-Mitte-Projekt beteiligte portugiesische Sonae Immobiliaria einen anderen Partner suchen könnte, falls die B.A.I. abspringt. Häupl zu diesem Szenario: "Das werden wir alles sehen."

Fest stehe für ihn jedenfalls: "Das Projekt muss mit dem Welterbe kompatibel sein", daher sei auch klar, dass die derzeit bewilligte Maximalhöhe von 97 Metern reduziert werden müsse. "Dass das Bauwerk dadurch nicht schöner wird, ist aber auch klar."

Privatwirtschaftlich rechnen

Gleichzeitig müsse sich das Vorhaben auch privatwirtschaftlich rechnen; dass die Stadt einen Teil der von den ÖBB geforderten Pachtkosten übernehmen könnte, schloss Häupl aus. "Es würde überhaupt keinen Sinn machen, wenn die Kommune investiert - dann hätte ich das ja gleich selbst machen können. Das wäre das Einfachste gewesen."

Die Ergebnisse der Verhandlungen zwischen B.A.I und Stadt Wien werden frühestens nächste Woche erwartet. Bis dahin gilt für Häupl die Devise: "Die Investoren pfleglich behandeln, um ihr Vertrauen zu erhalten."

Thalia-Prüfung in Graz

Gleichzeitig wird nun auch ein weiteres Projekt auf Welterbe-Verträglichkeit geprüft: Der umstrittene Um- und Ausbau der denkmalgeschützten Thalia nahe der Grazer Oper. Dienstagnachmittag besuchte Wilfried Lipp die Mur-Metropole - Lipp ist Österreich-Chef von Icomos, die die Unesco in Welterbefragen berät.

Die erste Reaktion des Denkmalschützers nach diesem Lokalaugenschein: Eine Aberkennung des Welterbestatus wäre bei diesem Projekt "deutlich überzogen". Eine Optimierung des Plans könnte sogar ein positives Beispiel im Sinne der "Cultural Heritage" sein. (cms, frei/DER STANDARD, 12.3.2003)

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    foto: standard/cremer
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