VW-Motor kam 2002 ins Stottern

11. März 2003, 17:42
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Absatz des Autokonzerns rückgängig, aber zweitbestes Ergebnis der Konzerngeschichte - 2004 soll es wieder aufwärts gehen

Dresden - Der VW-Konzern, Europas größter Autobauer, muss sich alter Stärken besinnen, um wieder in Schwung zu kommen: leistbare Massenautos bauen. Eine Modellflut ist also angesagt - heuer werde man laut Bernd Pischetsrieder alle drei Wochen ein neues Modell auf den Markt werfen, sagte der VW-Chef bei der Präsentation der Bilanz 2002 am Dienstag in Dresden. Nach einer Dekade ununterbrochener Rekorde kam der VW-Motor ins Stottern - Kritiker sprechen von teils verfehlter Modellpolitik und Konzentration auf teure Luxusprojekte, derweil etwa die Franzosen am VW- Kerngeschäft knabberten.

Unter Fünf-Millionen-Marke

Tatsächlich fiel der Konzern mit den Marken VW, Audi, Skoda, Seat, Bentley, Lamborghini und Bugatti beim Absatz erstmals seit 2000 mit 4,98 Mio. ausgelieferten Fahrzeugen wieder unter die Fünf-Millionen-Marke. Derweil nimmt Erzkonkurrent Toyota, mit dem man sich vor kurzem noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferte, heuer wohl die Sechs-Millionen-Hürde.

Pischetsrieder geht davon aus, dass es 2003 wieder über fünf Millionen werden - Rang vier hinter General Motors, Ford, Toyota. Grund für die Zuversicht: 20 neue Modelle gehen ins Rennen, darunter volumsträchtige wie VW Touran (Kompaktvan, ab sofort), Audi A3 (ab Mai) und VW Golf (Ende 2003). In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres setzte VW weltweit 732.000 Neuwagen ab - 4,5 Prozent über dem Vorjahr; das Plus gehe aber vor allem aufs Konto von China.

"Punktlandung"

Für 2002 meldete der Konzernchef mit dem zweitbesten Jahr der Geschichte eine "Punktlandung". Dennoch mussten die Wolfsburger gegenüber 2001 Einbußen auf vielen Fronten hinnehmen. So schrumpfte der Umsatz um 1,8 Prozent auf 86,95 Mrd. €, der Gewinn nach Steuern um 11,3 Prozent auf 2,6 Mrd. €, das operative Ergebnis von 5,4 auf 4,8 Mrd. €.

Schlimmeres verhinderte das Fernostgeschäft. Vor allem der China-Boom kompensierte die Rückgänge in Europa, Nordamerika läuft einigermaßen zufrieden stellend (663.278 Pkw nach 669.494).

Trendwende 2004

Der Konzern ist auch nach Expertenansicht global gut aufgestellt. Richtig bergauf gehe es aber wohl erst 2004 - die Vollverfügbarkeit der neuen Modelle soll die Trendwende herbeiführen. (Andreas Stockinger, DER STANDARD, Printausgabe 12.3.2003)

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    montage: derstandard.at
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