Shoppingcity Seiersberg lässt die Puppen tanzen

11. März 2003, 00:00
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Eine Zitrone für die barbusige Schaufensterdekoration, die den männlichen Shoppern das Einkaufserlebnis versüßen soll

Am 12. März eröffnet das neue Shoppingcenter Seiersberg in der Nähe von Graz. Großflächige Werbeplakate erinnern schon seit Wochen daran, dass wir dort unsere vorher von den WerbemacherInnen produzierten Bedürfnisse ausgiebigst befriedigen können.

Und vor allem dem männlichen Lustkäufer wird mit der Werbelinie des neuen Shopping-Tempels ganz klar signalisiert, welcher Hunger dort gestillt werden kann. Die Werbesujets zeigen alltägliche Freizeitszenen, Hauptakteure sind Männer unterschiedlichen Alters. Und noch etwas haben sie gemeinsam: eine mehr oder weniger nackte Schaufensterpuppe leistet ihnen Gesellschaft.

Da sitzt ein erfolgreicher junger Anzugträger in Seiersberg in einem Diner amerikanischen Stils, begleitet von der Plastikpuppe, die nur mit einer Bluse bekleidet ist. Und eine Gruppe sportlicher Sonnenverwöhnte spielt Beach-Volleyball mit einem weiblichen Dummie - oben ohne versteht sich. Nur der kleine Junge, der sich am Computer die Sporen abstößt, wird von einer als Gleichaltrige verkleidete Auslagenschönheit begleitet.

Perfekte Proportionen, ohne Eigenleben und kommentarfrei?

Aber was zum Henker will diese Werbung vermitteln? Werbung spielt doch vordergründig mit Gefühlen, mit Image. Nicht das Produkt soll verkauft werden, sondern die Emotion, die mit den Artikel verbunden wird. Kauf ich das Parfum von Davidoff, fühl ich mich fast so sexy wie der von Wasserperlen überströmte Muskelkörper im Hochglanzmagazin.

Nur - welches Gefühl, welches Image soll bitteschön hier vermittelt werden? Shoppen in Seiersberg ist wie das sich in der Öffentlichkeit zeigen mit einer körperlich perfekten Frau? Die noch dazu nicht widersprechen kann, keine eigene Meinung und keinen Willen hat, dafür aber auch keine Kleidung und nur nackte (Plastik-)Haut?

An die weibliche Käuferinnen-Schar kann sich die Werbung ja gar nicht richten,

... denn welche Frau fühlt sich schon von der Vorstellung positiv angesprochen, mit nacktem Hintern in einem Restaurant zu sitzen? Oder mit bloßem Busen der gegnerischen Mannschaft die Stoppbälle rüber zu brettern? Aber wahrscheinlich sind wir Frauen als Zielpublikum ja egal. Wir haben keine Jobs, verdienen kein Geld, können eh nicht selber einkaufen und sind schon zufrieden, wenn wir unsere Kalkpanikattacken mit dem passenden Mittel bekämpfen können.

(e_mu)

Elke Murlasits, 11. März 2003
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