Preußische Diven, blond wie Stahl

12. März 2003, 22:18
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Autorin Thea Dorn führt die beiden konträr mythisierten Diven, Dietrich und Riefenstahl, in ihrem Drama "Marleni" zusammen

Zwei Berlinerinnen, im Abstand von wenigen Monaten geboren, zwei Tänzerinnen mit starkem Drang zur Bühne. Aus alles gleich wird alles anders: Vor die Kamera führt der Lebensweg die eine, hinter die Linse die andere. Hitler galt die Bewunderung der Jüngeren, während die Ältere emigrierte. 100 Jahre nach ihrer Geburt scheint eine alles richtig, die andere alles falsch gemacht zu haben.

Eine raffinierte Idee der Autorin Thea Dorn, die beiden konträr mythisierten Diven, Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl, in ihrem Drama Marleni in Marlenes Todesnacht zusammenzuführen.

Zwar gelingt es Dorns Stück nicht wirklich, philosophische Funken aus der genialen Grundidee zu schlagen, das Drama bleibt in biografischen Details stecken - das allerdings mitunter sehr amüsant. Und es bietet wunderbare Spielmöglichkeiten für zwei Darstellerinnen, was seinen Bühnenerfolg garantiert.

Auch in Wien gelingt Leo Krischke und seinen Marlenis ein fast immer kurzweiliger, momentweise sogar brillanter Abend, der nur einige Kürzungen vertrüge. Zu verdanken ist die Kurzweil dem intensiven Spiel der Diven, die den beiden Lebensprinzipien durch zwei Spielstile entsprechen: realistisch-lasziv Charlotte Kaunzner als Dietrich, puppenhaft-clownesk Roswitha Szyszkowitz als Riefenstahl.
Mit Begleitprogramm: Filme und Symposium. Sehenswert! (cia/DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2003)

Schikaneder
1040 Wien
Margaretenstr. 24
marleni.info
01/585 58 88
Bis 31.3., jeweils 20 Uhr
  • Artikelbild
    foto: marleni.info
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