Die lange Reise Österreichs in den Winter

10. März 2003, 18:47
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Innsbruck hatte die Winterspiele zweimal, Klagenfurt scheiterte zweimal

Wien - Innsbruck eröffnet 1964 Österreichs olympische Karriere. Ausgerechnet in diesem Jahr bricht der wärmste Februar seit Menschengedenken über das heilige Land Tirol. Wer, wenn nicht Österreichs Bundesheer, muss die Katastrophe abwenden und Schnee sammeln? Die schönen Spiele der Weltjugend werden von den tödlichen Trainingsunfällen des australischen Abfahrers Ross Milne und des britischen Rodlers Kazimierz Skrzypecki überschattet. Egon Zimmermann und Christl Haas gewinnen Abfahrt, Pepi Stiegler Slalom.

1972 sagen die Bürger von Colorado aus Angst vor den hohen Kosten und der olympischen Umweltzerstörung die Winterspiele 1976 ab, auf Ersuchen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) springt Innsbruck ein. Österreichs Mannschaft marschiert in den berüchtigten goldenen Anzügen zur Eröffnung ins Stadion, Franz Klammer rast in seinem längst legendär gewordenen Rennen zum Olympiasieg, Karl Schnabl holt sich das Skispringen.

Bis heute bewarben sich diverse Kommunen (und nur solche sind nach den formalen Regeln des IOC als Bewerber möglich) Österreichs um die Austragung von Winterspielen. Bereits 1984 äußern die Regionen Kärnten, Friaul-Julisch Venetien und Slowenien (als Teilrepublik Jugoslawiens!) im IOC die Idee einer grenzübergreifenden Bewerbung, was sich damals allerdings nach den IOC-Statuten verbietet. 1990 beschließt das IOC eine einschlägige Satzungsänderung, im Jahr darauf macht sich Slowenien von Jugoslawien unabhängig, 1994 schickt Italien die erste Bewerbung des Titels "senza confini" (ohne Grenzen) ab, Tarvis ist der Träger. Im Jahr darauf fällt "senza confini" durch, die Spiele 2002 werden an Salt Lake City vergeben.

Kärnten, Slowenien und Friaul beschließen, sich für die Winterspiele 2006 anzustellen, als Trägerkommune wird Klagenfurt gewählt. Sie erhält auch innerhalb Österreichs Konkurrenz, und zwar von Salzburg und Kitzbühel (damals noch solo). Das Österreichische Olympische Komitte (ÖOC) sucht sich Klagenfurt als nationalen Bewerber aus, was in Salzburg zu einiger Erbitterung führt. Doch die Dreiländerbewerbung wird von Italien ausgebremst, denn dessen Olympisches Komitee ruft Turin als nationales Anliegen aus - und erhält den Zuschlag für 2006. Die olympische Legende besagt, dass der inzwischen gestorbene Fiat-Gründer Giovanni Agnelli sich das gewünscht hat.

Für die Winterspiele 2010 stellen Salzburg und Kitzbühel ursprünglich je eine unabhängige Bewerbung auf, im Zuge der Verhandlungen gelingt es dem diplomatischen Geschick des ÖOC-Präsidenten Leo Wallner, die beiden Konkurrenten zu einer Bietergemeinschaft zusammenzuschließen. Im September 2001 erfolgt die Erhebung Salzburgs zur Bewerberstadt (mit Sportwelt Amadé und Kitzbühel). Am 10. 1. 2003 übergeben Generaldirektor Egon Winkler und Generalsekretär Robert Kaspar in Lausanne dem IOC das Bewerberdokument, morgen beginnen die IOC-Inspektoren mit der Evaluierung. (josko)

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE 11.3. 2003)

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