Forschung mit Stamm­zellen: Wider das Florianiprinzip

16. März 2009, 19:14
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Gesetzliche Klarheiten haben in Österreich seit vielen Jahren gefehlt

Stammzellenforschung ist, auch wenn so manche Heilserwartung etwas übertrieben war, eines der heißesten Gebiete der biomedizinischen Forschung. Das hat auch US-Präsident Barack Obama erkannt und vor einer Woche medienwirksam verkündet, dass er die staatliche Förderung von Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen wieder erlaubt.

In Österreich ist diese Forschung im Prinzip auch nicht völlig verboten, nur: Sie findet so gut wie nicht statt, zumindest nicht an embryonalen menschlichen Stammzellen. Und zwar auch wegen der Rechtsunsicherheit, denn es ist zwar der Import, aber nicht die Herstellung der ethisch umstrittenen Zellen erlaubt. Der einzige Forscher, der das hierzulande bislang in Anspruch nahm, ist mittlerweile in Spanien tätig.

Nun hat sich eine qualifizierte Mehrheit der Bioethikkommission im österreichischen Bundeskanzleramt für eine Liberalisierung der Forschung an embryonalen Stammzellen ausgesprochen - aber vor allem auch dafür, in diesem Bereich endlich gesetzliche Klarheiten zu schaffen. Die haben in Österreich seit vielen Jahren gefehlt, weil man wieder einmal auf das Florianiprinzip gebaut hat: Sollen die anderen einmal forschen, wir machen uns die Finger damit nicht schmutzig und ersparen uns die lästigen Diskussionen.

Die qualifizierten Empfehlungen des Expertengremiums landen demnächst am Tisch des Bundeskanzlers und des Wissenschaftsministers. Es liegt nun an ihnen, für ein Ende der Floriani-Stammzellenpolitik zu sorgen. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 17. 3. 2009)

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