Mehr Kurzarbeit

16. März 2009, 18:15
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7.000 Beschäftigte in Industriesparte betroffen - Elektronikwerk Siegendorf verkauft

München/Wien - Siemens-Konzernchef Peter Löscher will im Elektromulti die Kurzarbeit ausweiten. "Wir müssen davon ausgehen, dass der Umfang der Kurzarbeit auch bei uns noch weiter zunehmen wird", sagte Löscher der Neuen Osnabrücker Zeitung. Auch in Österreich wird die Einführung von Kurzarbeit geprüft, kündigte Siemens-Österreich-Chefin Ederer an.

Zuletzt hatte der Siemens-Konzern angekündigt, bis April 7400 Beschäftigte an mehreren Standorten in Kurzarbeit zu schicken. Betroffen sind Lichttechnik-Tochter Osram und Industrieautomatisierung. Die Zahl der bisher rund 7000 Betroffenen könne sich verdoppeln, sagte Personalvorstand Russwurm. "Wir sind auch hier in einer Vorreiterrolle und stellen uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung. Unabhängig von der Kürzung der Arbeitszeit garantieren wir 85 Prozent des Nettoeinkommens", sagte Löscher.

Am stärksten trifft Siemens die Wirtschaftskrise in der Industriesparte, während Energie und Medizintechnik bisher ohne drastische Einschränkungen auskämen, sagte Ederer am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Kandidaten für Kurzarbeit sind das Elektronikwerk Wien (Simea, rund 600 Beschäftigte) und allenfalls die Metallurgie VAI in Linz. Dort rechnet Ederer vorerst nur mit moderaten Umsatz- und Ergebnisrückgängen. Gröbere Auslastungsprobleme sind allerdings im Anmarsch, der Auftragseingang ist im Herbst eingebrochen. Derzeit würden Aufträge aus dem Vorjahr abgearbeitet, die Zahl der VAI-Leiharbeiter wurde von 470 auf 200 reduziert. Kurzarbeit hält Ederer nur bei "konjunkturellen Problemen" für sinnvoll, nicht bei "strukturellen".

Angesichts der "extrem schwierigen Situation" fordert Ederer "extremstes Augenmaß" bei den anstehenden Lohnverhandlungen für die Elektroindustrie. Arbeitgeber-Chefverhandler ist Ederers Vorgänger Albert Hochleitner.

Über die Bühne geht, wie der Standard berichtete, der Management-buy-out des Simea-Werks in Siegendorf an Friedrich Pressl (bis 2003 Geschäftsführer Siemens Verkehrstechnik) und Ernst Mayrhofer. Siemens bleibt mit einer Sperrminorität an Bord und gibt mit Mezzaninkapital. (dpa, ung, DER STANDARD, Printausgabe, 17.3.2009)

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