unserDaheim.at: Dorftratsch und Stadtgeflüster

17. März 2009, 18:09
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In Zeiten der Globalisierung will ein Community-Portal mit regionalen News punkten - Jeder Ort soll seine eigene Online-Zeitung haben

"Als Gründer sollte man sich nicht allzu viel an Unterstützung erhoffen", sagt Alexander Neumayer. Er hat vor kurzem das Community-Portal unserDaheim.at aus dem Boden gestampft. Mit Eigenkapital und ohne öffentliche Subventionen. „Für einen großen Konzern wäre es eine Lappalie gewesen, aber für eine private Initiative ist es schon eine beträchtliche Summe", meint Neumayer zu derStandard.at. Bis er die Früchte seines Investments ernten kann, wird es wohl noch etwas dauern. Die Seite unserDaheim.at versteht sich als "Lokalzeitung im Internet". Das Credo lautet Userpartizipation.

Alle Gemeinden vertreten

Neumayer ist natürlich nicht der Einzige, der in letzter Zeit auf den Web2.0-Zug aufgesprungen ist. Für unserDaheim.at sieht er aber eine Marktlücke; und zwar eine breite. "Gerade im Bereich der lokalen Information existiert nichts Vergleichbares." Der 37-Jährige kommt selbst aus einem kleinen Ort in Niederösterreich. Auf dem Land gebe es nicht so viele Möglichkeiten, sich auf dem Laufenden zu halten. Auf unserDaheim.at werden alle 2.400 österreichischen Gemeinden über eine eigene Seite dargestellt. "Jeder Ort soll dann seine eigene Online-Zeitung haben", definiert er das Ziel.

Das Konzept ist ganz einfach: Die Leute sollen über Neuigkeiten aus ihrer Region berichten. Mit Artikeln, Fotos oder Videos. Thematisch gibt es keine Einschränkungen. Erwünscht ist alles, was das regionale Leben in irgendeiner Weise tangiert: Politik, Sport, Kultur, Wirtschaft, Chronik oder etwa Veranstaltungen. Die Beiträge können von den Usern kommentiert und bewertet werden.

Musical und Feuerwehr

Die Stadt Traun informiert zum Beispiel, dass sie Bewerber für die Kulturmedaille sucht. Hornstein bewirbt ein "Zirkusmusical" und die Feuerwehr Hinterstoder ist in die neue Einsatzzentrale übersiedelt. Enormes Potenzial ortet Neumayer vor allem bei Vereinen und Organisationen, die über ihre Aktivitäten informieren können. Einige Hundert habe man schon an Bord. Es sollen noch viel mehr werden, Kooperationen mit Multiplikatoren werden gerade anvisiert

Ist wirklich jeder ein potenzieller Lokalreporter? "Es geht weniger um Journalismus von Laien sondern viel mehr darum, sich gegenseitig mitzuteilen, was es neues gibt", sagt Neumayer. Im Zentrum stehe der "Austausch von Informationen, die früher am Dorfplatz oder im Gasthaus erzählt wurden". Auf unserDaheim.at wird explizit darauf hingewiesen, dass es "nicht um richtige Rechtschreibung und guten Stil" geht. Mitmachen kann jeder mit einer Affinität zu Neuigkeiten mit Lokalkolorit. Die Registrierung ist kostenlos.

2.500 Nutzer

"Wir müssen noch sehr stark wachsen", sagt Neumayer. Die Nutzer sind schließlich das Kapital. Momentan tummeln sich rund 2.500 auf dem Portal. "Als Start-up geht es nicht von einem Tag auf den anderen. Es ist ein Prozess über einen längeren Zeitraum." Die Seite betreibt er mit seiner Firma "New Ways Management". "Die Idee hat sich über Jahre entwickelt", erzählt Neumayer, der eigentlich Unternehmensberater mit Fokussierung auf den Finanzbereich ist. Das Kernteam von UnserDaheim.at besteht aus "drei, vier Leuten". Die Seite wurde von externen Entwicklern umgesetzt.

Eine zentrale Rolle bei unserDaheim.at sollen auch Politiker spielen. "Die Plattform ermöglicht eine ständige Demonstration der eigenen Leistungen und Erfolge", so der Initiator. Quasi ungefiltert und ähnlich wie bei einem Blog: "Nur mit einer viel größeren Publizitätswirkung." Gesetzt den Fall, dass das Portal viele User gewinnen kann. Vom Erfolg ist er überzeugt: "Wir bieten eine neue Möglichkeit, um die Kommunikation in den Orten zu forcieren."

Einträge werden gecheckt

Die Gefahr, dass unserDaheim.at als Werbeplattform missbraucht wird, sieht Neumayer nicht: "Es kommt erstaunlich selten vor, dass man eine Werbebotschaft rausnehmen muss." Er räumt aber ein, dass die Grenze schwer zu ziehen sei. Prinzipiell werden alle Beiträge kontrolliert. Bis jetzt mussten nur wenige gelöscht werden.

"Diejenigen, die einen kommerziellen Vorteil aus dieser Plattform ziehen wollen, müssen einen Beitrag leisten." Firmen können sich auf der Seite über eigene Profile präsentieren. Die Basisversion ist kostenlos. Für die Premiumvariante fallen knapp zehn Euro pro Monat an. Primär will sich das Portal über die Schiene Online-Werbung finanzieren. Eine gewinnbringende Vermarktung könne natürlich erst dann erfolgen, wenn die Userzahlen entsprechend sind, so Neumayer. Und da brauche es Geduld und einen langen Atem. (om, derStandard.at, 17.3.2009)

  • unserDaheim.at will mit Lokalnews punkten.

    unserDaheim.at will mit Lokalnews punkten.

  • Alexander Neumayer hat das Portal gegründet.

    Alexander Neumayer hat das Portal gegründet.

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