PiS versöhnt sich mit "Radio Maryja"

16. März 2009, 15:46
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Konservative Oppositionspartei kann im Europa-Wahlkampf auf Unterstützung des umstrittenen Radiosenders bauen

Warschau - Der national-katholische Sender "Radio Maryja" wird im Wahlkampf zu den Europawahlen die rechtskonservative polnische Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) unterstützen. Im Gegenzug werden Politiker aus dem engsten Kreis um den umstrittenen Senderchef, Pater Tadeusz Rydzyk, erste Plätze auf zwei von 13 Wahllisten der PiS bekommen, wie die Tageszeitung "Dziennik" am Montag berichtet.

Nach Angaben der Zeitung, die sich auf ein anonymes Mitglied der PiS-Führung beruft, wurde die Vereinbarung zwischen den Konservativen und Rydzyk bereits im Februar geschlossen. Demnach sollen dem kontroversen Radiosender nahestehende Politiker - Urszula Krupa und Miroslaw Piotrowski - PiS-Wahllisten in Lodz (Mittelpolen) und Lublin (Ostpolen) anführen.

PiS-Propaganda

Seit einigen Wochen lädt der Sender nun nur noch PiS-Politiker zu seinen Sendungen ein. Rydzyk versuchte zudem, seine Zuhörer davon zu überzeugen, dass die national-katholische Liga Polnischer Familien (LPR), die mit der PiS um die streng konservative Wählerschaft rivalisiert und unter den Fahnen der Libertas-Partei des irischen EU-Kritikers Declan Ganley auf die politische Bühne zurückkehren wollte, ihre Interessen nicht vertrete.

Im August des Vorjahres hatte "Radio Maryja" der PiS die uneingeschränkte Unterstützung entzogen. Der Ideologe des Radiosenders, Jerzy Nowak, warf der Partei damals in einem offenen Brief zu viele Kompromisse mit "Vertretern des linksliberalen Milieus" vor. Einer der großen Fehler der PiS sei die Zustimmung im Parlament zum EU-Reformvertrag gewesen, so Nowak.

Die Unterstützung durch "Radio Maryja" könnte für die PiS bessere Chancen auf ein gutes Wahlergebnis bedeuten. Die Zahl der Anhänger des umstrittenen Radiosenders wird auf bis zu zwei Millionen Menschen geschätzt. Deren Unterstützung verdankt die PiS zu einem guten Teil ihren Sieg bei den Parlamentswahlen im Jahr 2005, als die Partei im Finale des Wahlkampfs die in Umfragen stärkste rechtsliberale Bürgerplattform (PO) überraschend überholte. Im Herbst 2007 wurde die PiS allerdings bei vorgezogenen Wahlen wieder abgewählt und ist seither in Opposition. (APA)

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