Siemens-Österreich: Krise trifft Industriesparte, Kurzarbeit wird geprüft

16. März 2009, 14:58
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Für Lohnverhandlungen "mit extremem Augenmaß" - Ruf nach Konjunkturprogrammen mit "Innovationsschub" - CEE wird weiter wachsen

Die weltweite Wirtschaftskrise trifft im Siemens-Konzern am stärksten die Industriesparte: In den beiden anderen Sparten, Energie und Health Care, gebe es bisher keine wirklich drastischen Einschränkungen, die Industrie leide aber unter "erheblichen Reduktionen", sagte Siemens-Österreich-Generaldirektorin Brigitte Ederer heute Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. Die Einführung von Kurzarbeit stehe nun in Teilen des Konzerns, etwa bei der Elektronikfertigung im Wiener SIMEA-Werk mit rund 600 Mitarbeitern, zur Diskussion.

Kurzarbeit

Kurzarbeit sei allerdings nur bei "konjunkturellen Problemen" sinnvoll, nicht bei "strukturellen Problemen", so Ederer. Beim fast abgeschlossenen Kostensenkungsprogramm werden rund 500 Leute abgebaut. Weiteren Personalabbau hat Siemens Österreich bei den Leiharbeitern durchgeführt: Hier hat sich das Unternehmen seit Beginn der Krise von rund 300 bis 400 Personen aus der eigenen Leiharbeiterfirma getrennt. Ohne Leiharbeiter und ohne der vom Stammhaus geführten VAI liegt der Personalstand bei Siemens Österreich derzeit bei etwa 8.000 Mitarbeitern.

Gut ausgelastet sei derzeit die Transformatorenproduktion im oststeirischen Weiz und in Linz, wo die Auftragslage bis 2012 abgesichert sei. "Man spürt dort nichts von der Wirtschaftskrise", freut sich Ederer über eine "Erfolgsgeschichte". Bei der VAI hingegen brechen seit Anfang September die Aufträge ein, Großprojekte würden verschoben.

Schwere Zeiten

"Wir haben eine extrem schwierige Situation", so Ederer. Bei den Lohnabschlüssen in der Elektroindustrie appelliert sie für ein "extremes Augenmaß": Man sollte alles andenken und nichts ausschließen, sagte Ederer auf die Frage nach Notkollektivverträgen. Dem Arbeitgeber-Verhandler für die Elektroindustrie, Albert Hochleitner, wolle sie aber nicht vorgreifen, und daher auch keine Zahlen nennen.

Siemens Österreich verantwortet einen Wirtschaftsraum mit 13 zentral- und südosteuropäischen Ländern. Der CEE-Raum werde insgesamt weiter wachsen, aber auf niedrigerem Niveau, erwartet Ederer. Besonders große Probleme mit Auftragseinbrüchen gebe es in der Ukraine, die Währungsschwankungen herausgerechnet befinde sich Siemens dort aber noch immer im positiven Bereich. In der Slowakei und in Tschechien sei Siemens "auf niedrigerem Niveau gut unterwegs". Die Länder in Südosteuropa seien von der Krise auch betroffen, aber nicht so dramatisch. In Österreich breche der Investitionsgütermarkt laut Prognosen wesentlich stärker als das BIP insgesamt ein.

Hoffnung

Hoffnungen setzt die Siemens-Österreich-Chefin in die Konjunkturprogramme mit Infrastrukturmaßnahmen. Diese sollten schnell starten, jedoch mit "Innovationsschüben" verbunden werden, wünscht sich Ederer. Ansatzpunkte dafür sieht sie in der Häuserdämmung, bei der Verschrottungsprämie, die etwa mit der Entwicklung von Infrastruktur für Elektroautos gekoppelt werden könnte oder bei Investitionen für den öffentlichen Verkehr, wo auch Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz eingesetzt werden sollten. Die Zukunft liege in dezentraler Energieerzeugung und -Speicherung, Siemens sei hier mit innovativen Entwicklungen wie "smart grids" und "smart metering" ganz vorne dabei. "Energieeffizienz wird ein zentrales Thema sein", erwartet Ederer. (APA)

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  • Siemens-Österreich-Generaldirektorin Brigitte Ederer

    Siemens-Österreich-Generaldirektorin Brigitte Ederer

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