Auch 2010 kein Wirtschaftswachstum

16. März 2009, 13:09
posten

Nach der Prognose der Ökonomen der Bank Austria wird das BIP heuer um 2,2 Prozent schrumpfen

Wien - Die österreichische Wirtschaft schrumpft heuer voraussichtlich um 2,2 Prozent. Auch 2010 sei angesichts fehlender Signale für eine Aufhellung des globalen Umfelds kein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Sicht, sondern ein leichter BIP-Rückgang um real 0,2 Prozent, prognostizieren die Ökonomen der Bank Austria.

Im Februar war der heute, Montag, veröffentlichte Bank-Austria-Konjunkturindikator mit 1,7 Prozent erneut klar im Minus, wenn auch leicht verbessert gegenüber dem Vormonat Jänner (minus 1,8 Prozent). Von einer Trendwende könne aber noch keine Rede sein, die wirtschaftliche Lage in der Industrie habe sich verschärft. Die Exportnachfrage ist auf einem Rekordtief.

Je länger die Konjunkturflaute anhält, umso schlimmer werden die Konsequenzen für den österreichischen Arbeitsmarkt sein. Die Arbeitslosigkeit wird in den kommenden Monaten den Angaben zufolge nicht nur im exportorientierten Industriesektor, sondern zunehmend auch im Dienstleistungsbereich massiv ansteigen. 2009 ist laut Konjunkturindikator eine durchschnittliche Zunahme um 55.000 auf fast 270.000 arbeitsuchende Personen zu erwarten. Erstmals seit mehr als zehn Jahren wird die Beschäftigung in Österreich sinken und damit die Arbeitslosenquote innerhalb eines Jahres um 1,5 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent steigen.

"Der Bank-Austria-Konjunkturindikator hat sich im Februar erstmals seit einem Jahr verbessert. Der marginale Anstieg um 0,1 Punkte auf den weiterhin sehr tiefen Wert von minus 1,7 ist jedoch kein Signal einer wirtschaftlichen Trendwende", betonte Stefan Bruckbauer, stellvertretender Chefökonom der Bank Austria, den aktuellen Wert.

Stimmungstief der Konsumenten überwunden

Die österreichische Wirtschaft werde bis zum Jahresende 2009, mit abnehmender Tendenz ab dem Frühsommer, aber ununterbrochen, schrumpfen. "Die kürzlich beschlossene Steuerentlastung und die weiteren Fiskalmaßnahmen werden nach unseren Berechnungen 2009 einen Wachstumseffekt von fast 1,2 Prozent im Vergleich zu einem Szenario ohne Stützungsaktionen auslösen und damit den wirtschaftlichen Einbruch zumindest etwas begrenzen", zitiert Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl aus der aktuellen Studie "Was kann das österreichische Konjunkturpaket?". Zudem werde die geldpolitische Lockerung durch die Europäische Zentralbank (EZB) im späteren Jahresverlauf beginnen Wirkung zu zeigen.

Zwar hätten die heimischen Konsumenten heuer im Februar das historische Stimmungstief des Vormonats überwunden und seien angesichts der jüngst niedrigen Inflationswerte und der bevorstehenden Lohn- und Einkommenssteuerentlastung etwas zuversichtlicher geworden. "Allerdings hat sich die wirtschaftliche Lage in der österreichischen Industrie weiter verschärft." Die Auftragspolster und die Produktionserwartungen sinken rapide, weil vor allem die Nachfrage aus dem Ausland dramatisch nachlasse.

Eine Besserung ist laut Bank Austria kurzfristig nicht in Sicht, denn die Geschäftserwartungen der europäischen Industrie, aus der fast drei Viertel der Exportnachfrage in Österreich kommen, haben im Februar einen Rekordtiefstwert erreicht. Insbesondere im wichtigsten Abnehmerland heimischer Industrieerzeugnisse, Deutschland, ist die Stimmung in den Keller gefallen.

Die Ökonomen der Bank Austria erwarten daher für das erste Quartal 2009 auch den stärksten Rückgang des BIP im laufenden Konjunkturzyklus und gehen davon aus, dass die Wirtschaft um über 1 Prozent zum Vorquartal sinken wird. Bereits im Schlussviertel 2008 war die Wirtschaftsleistung aufgrund der schwächelnden Exportnachfrage um 0,2 Prozent unter dem Vorquartal gelegen. "Die heimische Wirtschaft schrumpft nun bereits das zweite Quartal in Folge. Damit ist Österreich definitionsgemäß in einer Rezession", so Pudschedl.

Die massive Verschärfung der Lage am Arbeitsmarkt werde zunehmend die Entwicklung des privaten Konsums beeinträchtigen, der bisher den vom Ausland ausgehenden wirtschaftlichen Einbruch abgefedert hat. Trotz der Steuerentlastung wird der private Konsum nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Austria 2009 daher bestenfalls stagnieren, zumal aus Vorsichtsgründen mit einem anhaltenden Anstieg der Sparquote zu rechnen sein wird. (APA)

Share if you care.