Leipziger Buchmesse: IG-Autoren suchte Verbündete gegen Google

16. März 2009, 13:01
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"Wir werden das Problem ganz neu andenken müssen" - Ruiss: Leipzig gewinnt, Frankfurt verliert an Anziehungskraft

Den Rekordbesuch auf der gestern, Sonntag, zu Ende gegangenen Leipziger Buchmesse sieht der Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren in Österreich, Gerhard Ruiss, als Zeichen für "ungebrochenes Interesse an Literatur, am Buch". Besonders auffallend sei der Besuch jungen Publikums gewesen, auch am Wochenende, wo "nicht die Schule als Motor" in Frage komme, sagte er im Gespräch mit der APA.

"Weil alle Titel der Herbstproduktion schon ab August abgefeiert sind"

Die Leipziger Buchmesse beweise sich damit als die zentrale Buchmesse für Literatur und Buchproduktion. Ihr Schwerpunkt liege eindeutig auf dem Lesepublikum, die Frankfurter Buchmesse im Herbst hingegen büße zusätzlich Anziehungskraft für die Leserschaft ein, "weil alle Titel der Herbstproduktion schon ab August abgefeiert sind". Leipzig hingegen entwickle sich "immer mehr zur Novitätenmesse kleinerer Verlage, nicht gesetzter Bestseller und Ort für literarische Entdeckungen", so Ruiss.

Während Leipzig durch "das ungeheuer attraktive Literaturprogramm 'Leipzig liest'" hervorsteche, entwickle sich das Pendant in Frankfurt zur Medienmesse, so Ruiss. Für beide gelte allerdings, dass sie nicht technologielastig geworden seien: "E-Book und i-Phone scheinen Randphänomene, Spielwiesen zu sein", sagte der Autorensprecher, "wir können von der Unverwüstlichkeit des Buches ausgehen."

Eine große Frage trieb die Branche laut Ruiss in Leipzig um und wurde auf "ambulanten Konferenzen" in Fachgesprächen über Landesgrenzen hinweg diskutiert: "Was hat Google vor, welche Gegenmaßnahmen zur Rechtesicherung gibt es?" Mitte des Jahres müsse eine Entscheidung getroffen werden, doch schon jetzt gebe es "einen engen Branchenzusammenschluss, um nicht einen entregelnden Wettbewerb bei den Digitalrechten zu unterstützen".

"Wir werden das Problem ganz neu andenken müssen", sagte Ruiss. "Es geht auch um die Frage, wie man sich verhalten muss, dass die europäische Kulturgeschichte nicht von amerikanischen Unternehmen abgesaugt wird, unter Aushebelung des europäischen Rechts." Man befinde sich an einem historisch wichtigen Zeitpunkt. Ruiss sprach ein europaweit angepasstes Urheberrecht an, ebenso wie eine Digitalisierungsabgabe und Urheberschutzpflichten. "Man verliert Refinanzierungsmöglichkeiten im Printmarkt", warnte er.

Potter

Zudem müsse die Buchpreisbindung im deutschen Sprachraum weiter entwickelt werden: Hörbücher und E-Books seien "möglichst rasch" einzubinden. Marktregulierung werde in diesem Bereich "so nicht funktionieren". Ruiss lobte die österreichische Buchpreisbindung, der Deutschland gefolgt sei als eine "Großtat mit Vorbildwirkung".

In der Buchbranche sieht der Autorenvertreter derzeit eine "große Grundruhe, aber niemand hat auch eine Zukunftsstrategie". Der Buchmarkt sei von der Krise noch nicht erfasst, was an der Vielfalt der Branche, aber auch an ihrer kleinteiligen Arbeit liege: "Trotz Bestsellerhysterie ist es eine zentrale Qualität unserer Branche, dass Inhalte durch nichts zu ersetzen sind", sagte Ruiss. "Es gibt auch ein Leben nach Potter." (APA)

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