Linzer Bischof entmachtet Pfarrer Friedl

16. März 2009, 17:49
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Gespräch mit Bischof nach Liebes-Outing - Als Pfarrer bleibt Friedl vorerst weiter im Amt

Linz - Wortlos eilte der sonst so redselige Pfarrer von Ungenach am späten Montagnachmittag aus den bischöflichen Gemächern. Für die zahlreichen wartenden Journalisten gab es von Josef Friedl keine Stellungnahme. Der offensichtlich tiefen Enttäuschung des Pfarrers war die mit Spannung erwartete Aussprache mit dem Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz über Friedls Beziehung zu seiner Lebensgefährtin vorausgegangen. Und das Gespräch endete mit einem Knalleffekt: Friedl wurde seines Amtes als Dechant enthoben. Als Pfarrer bleibt der enge Vertraute von Arigona Zogaj im Amt - vorerst, denn Bischof Schwarz kündigte am Montag noch weitere Gespräche an.

"Ich habe gemeinsam mit dem für das Personal verantwortlichen Generalvikar mit Pfarrer Friedl in den letzten Tagen Kontakt gehabt und bei diesem gemeinsamen Gespräch jetzt Folgendes vereinbart: Pfarrer Friedl nimmt zur Kenntnis, dass er mit Wirkung vom heutigen Tag seines Amtes als Dechant enthoben wird. In diesem Amt war er der unmittelbare Vertreter des Bischofs in seinem Dekanat. Die Unvereinbarkeit seiner nun persönlich deklarierten Lebensform mit dem ursprünglichen Versprechen verlangt jetzt - wie sich herausstellt - eine nähere Klärung dessen, was bisher öffentlich immer wieder als seine 'Lebenspartnerschaft' dargestellt wurde. Dazu sind jetzt weitere Gespräche in nächster Zeit nötig. Im Kirchenrecht sind diese mehrmaligen Gespräche für solche Situationen ohnehin vorgesehen", erklärte der Linzer Bischof unmittelbar nach dem Gespräch.

Friedl habe "öffentlich und von sich aus" erklärt, dass er sich in den letzten Jahren nicht an das bei der Priesterweihe gegebene Versprechen, ehelos zu leben, halte und er zu dieser Beziehung stehe. "Unseren Dienst als Priester haben wir beide mit dem Zeichen der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen übernommen. Diese Regel gilt auch heute noch und ist in ihrer Gültigkeit ganz klar auf weltkirchlicher Ebene unterstrichen worden" , begründete Schwarz seine rigorose Vorgehensweise.

Konservativer Druck

Friedl selbst war am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der 65-jährige Geistliche hatte sich bei einer nichtöffentlichen Podiumsdiskussion zu seiner Lebensgefährtin bekannt und damit bestätigt, was ohnehin schon lange als offenes Geheimnis galt: Er lebe schon seit Jahren mit einer Frau zusammen, was in der Pfarre akzeptiert werde. Seine Freundin habe ihm auch geholfen, Arigona Zogaj zu betreuen, die er nach dem Ende ihrer Flucht vorübergehend im Pfarrhof aufgenommen hatte.

Die konservative Internetplattform kath.net - ein Vertreter nahm auch an der besagten Diskussion teil und machte Friedls "Outing" publik - stellte ihn via Homepage umgehend an den Kirchenpranger. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, Printausgabe, 17.3.2009)

  • Das Bekenntnis zu seiner Lebensgefährtin kostet den
oberösterreichischen Pfarrer Josef Friedl sein Amt als Dechant: Der
Linzer Bischof Ludwig Schwarz stellte "Unvereinbarkeit" fest.
    foto: epa/rubra

    Das Bekenntnis zu seiner Lebensgefährtin kostet den oberösterreichischen Pfarrer Josef Friedl sein Amt als Dechant: Der Linzer Bischof Ludwig Schwarz stellte "Unvereinbarkeit" fest.

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