Schon wieder ein Druckluftauto

16. März 2009, 17:04
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Ein Konzept, das sich an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit bewegt. Die Frage auch bei dieser Antriebsart: Woher nimmt man die Energie?

Jubelmeldungen über das sogenannte Druckluftauto tauchen seit Jahrzehnten in regelmäßigen Abständen auf. Durch das Internet bekommen sie nun eine neue Dynamik, um nicht zu sagen Wichtigkeit oder Wucht. Derzeit ist von einem Motor die Rede, der nach seinem französischen Erfinder Guy Nègre benannt ist.

Dieses Konzept bewegt sich tatsächlich an der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit. 300 Liter Pressluft werden in 300-bar-Druckbehältern mitgeführt und in einem speziellen Motor in Bewegungsenergie umgewandelt. Dieser Motor hat einen doppelt so guten Wirkungsgrad wie ein Verbrennungsmotor und tatsächlich keine lokalen Emissionen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass der Druck erst einmal irgendwo mit einem Motor erzeugt werden muss. Mit einem Elektromotor wäre das auch noch mit sehr hohem Wirkungsgrad möglich.

Bis hierher darf man also durchaus an eine positive Bilanz glauben. Doch weiter: Woher nimmt man die Energie für den Elektromotor? Aus einem kalorischen Kraftwerk? Aus einem Atomkraftwerk? Okay, Solarstrom. Wie auch immer, jetzt wird es auf jeden Fall eng: Die mitgeführte Energie wird ja im Motor nicht chemisch umgewandelt, sondern bloß Pressluft zu Luft entspannt. Die Pressluft enthält nur die Energie, die vorher beim Komprimieren hineingesteckt wurde. Das ist sehr sehr wenig.

Damit sind wir beim Knackpunkt: Es ist einfach zu wenig Energie an Bord, um ein akzeptables Vehikel im heutigen Anforderungsrahmen im Verkehr zu bewegen. Also doch eher Traum. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/13.3.2009)

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