Dafür werde ich in der Hölle schmoren

glu, 16. März 2009, 17:04
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Karl Fluch fährt täglich mit dem Fahrrad in die Arbeit und geht zu Fuß aufs Klo

Standard-Musikredakteur Karl Fluch tritt auch im Winter in die Pedale. Kälte allein ist kein Grund für ihn, sein Spezial-Mountainbike daheim stehen zu lassen. Im Interview spricht er mit Guido Gluschitsch über Masochismus, asiatische Touristen und Fluch erklärt, warum er einmal in der Hölle schmoren wird.

derStandard.at: Warum fährst du jeden Tag, wenn es das Wetter auch nur entfernt zulässt, mit dem Fahrrad in die Arbeit?
Karl Fluch: Weil ich damit in der Stadt am schnellsten bin, kein Parkplatzproblem habe und offenbar masochistisch veranlagt bin.

derStandard.at: Woraus schließt du deine masochistische Veranlagung?
Karl Fluch: In Wien ist man als Radfahrer ja weitgehend zum Abschuss freigegeben, oder man fühlt sich zumindest hin und wieder so. Das, gepaart mit der Blödheit, keinen Helm zu tragen, ist zumindest so gesundheitsgefährdend, wie vier Packerl Tschik am Tag zu rauchen.

derStandard.at: Erledigst du alle deine Wege mit dem Fahrrad?
Karl Fluch: Aufs Klo geh ich zu Fuß, den guten Rest erledige ich meist mit dem Rad.

derStandard.at: Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährst du folglich nie?
Karl Fluch: Nur wenn Schnee liegt oder es aus Kübeln schüttet. Ich fahr nicht mit zweiter Garderobe irgendwo hin und zieh mich dort dann um.

derStandard.at: Ich weiß, du hast aber auch ein Auto. Wofür benutzt du das?
Karl Fluch: Das benutze ich zum Parkplatz suchen, und dort steht es dann, wenn ich einen gefunden habe. Und ich fahr damit auf Urlaub.

derStandard.at: Was für ein Fahrrad hast du?
Karl Fluch: Ein MTB Cycltech. Schweizer Gerät mit schmalem Rahmen, mattschwarz. Es ist für Menschen über 1,90 Meter gemacht. Der Rahmen ist größer, sonst ist es gleich sensibel ausbalanciert wie vergleichbare Räder. Ich habe schmälere Reifen ohne Mountainbike-Profil, Mountainbiken war ich noch nie.

derStandard.at: Du bist ja sehr schlank. Fährst du mit dem Fahrrad auch des Sports wegen?
Karl Fluch: Der Sport ist bestenfalls ein Abfallprodukt des Fahrradfahrens, meine Figur genetischer Zufall.

derStandard.at: Wie zufrieden bist du mit dem Radwege-Netz Wiens?
Karl Fluch: Gar nicht.

derStandard.at: Heißt das, du hast auf deinem Weg in die Arbeit keinen Radweg?
Karl Fluch: Kaum. Hauptsächlich fahre ich die Busspur der Burggasse entlang und duelliere mich dort mit Taxifahrern, kämpf gegen den Linienbus und gegen Motorrad-Fahrer, die glauben, das sei auch ihr Fahrstreifen. Und gegen Leute, die unbedacht die Autotür aufreißen, Rechtsabbieger, die nicht schauen - das volle Programm.

derStandard.at: Das heißt, es gibt da schon einiges worüber man diskutieren kann?
Karl Fluch: Wenn ich erst einmal in der Autotür hänge oder unter dem Auto liege, brauche ich nicht mehr diskutieren. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft es mir gerade noch um Haaresbreite gelungen ist, die Kurve zu kratzen, oder zu überleben, wenn ein anderer die Kurve kratzt, ohne zu schauen.

Ganz schlimm ist das Radfahren jetzt im Winter: Erstens wegen der Witterung und zweitens, weil die Leute, insbesondere Autofahrer, sofort vergessen, dass es überhaupt Radfahrer gibt, wenn sie diese nicht in Massen sehen. Im Gesetz steht, ich sei ein gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer, auf der Straße gilt das definitiv nicht.

derStandard.at: Wie geht es dir mit Touristen als Hindernisse?
Karl Fluch: Touristen gelten als mühsam; gerade im ersten Bezirk. Verständlich, weil ortsunkundihg und all das, aber im Alltag anstrengend. Am schlimmsten: Asiaten. Aber die sind auch ganz anderes gewohnt: In Asien sind ja viel mehr Rad- und Motorradfahrer unterwegs. Aber halt nicht so, als wollten sie Fußgänger gerade erlegen. Dort läuft eine ganz andere harmonische Fügung als hierzulande, wo man ja darauf insistiert, dass man im stärkeren Mobil auch automatisch recht und den Vorrang hat.

derStandard.at: Wie sehr gilt das Recht des Stärkeren für dich?
Karl Fluch: Ich versuche, diese Blödheit nicht zu übernehmen und stattdessen das Prinzip einzuhalten, dass der Stärkere auf den Schwächeren Rücksicht zu nehmen hat. Das gelingt mir mit dem Auto wahrscheinlich besser als mit dem Fahrrad, einfach weil es hin und wieder notwendig ist, zu schauen, wie hoch Fußgänger springen, wenn plötzlich hinter ihnen die Glocke ertönt. Dafür werde ich in der Hölle schmoren.

derStandard.at: Respektierst du rote Ampeln?
Karl Fluch: Wenn es leicht geht.

derStandard.at: Hast du schon einmal Strafe zahlen müssen, wegen eines Vergehens mit dem Fahrrad?
Karl Fluch: Ja, einmal, wegen einer roten Ampel, aber das ist schon ewig her - Schillingzeiten. Da konnte der Polizist nicht auf einen Tausender herausgeben und machte aus der roten Ampel eine hellgelbe, und ich konnte mit einem Hunderter zahlen.

derStandard: Wie pflegst du dein Fahrrad?
Karl Fluch: Gar nicht, außer hin und wieder Kette ölen, und wenn es komische Geräusche macht, kriegt es der Fahrrad-Mann. Ciclopia, beste Adresse.

(Text: Guido Gluschitsch, Fotos: Wolf-Dieter Grabner, http://theflow.cc)

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El Coyote
00
27.4.2009, 12:04
Sicher, daß es der "Fahrrad-Mann" kriegt, bei der Ciclopia ?

Und nicht etwa die allseits bekannte / beliebte Gaffi ?

Günther Hase
 
03
Ciclopia

Ohne das BB-Wort überstrapazieren zu wollen, aber Ciclopia ist ein von BB's frequentierter (BB-)Laden. Das jährliche Service sollte wirklich nicht 10% des Neuwerts meines Drahtesels betragen. Was ich dort alleine für das Schaltungsseil (das nach einem halben Jahr riss) zahlte, habe ich beim Fahrad-Klempner bei mir ums Eck (Prater-Nähe) für die gesammte Installation desselben (inkl. neues Schaltseil) gezahlt. Wem's Spaß macht Geld auszugeben Bitte, ich geh nicht mehr ins Ciclopia.

me!
00

Kann ich nur bestätigen. Habe mein Rad dort gekauft, aber Service lass ich woanders machen. Und mein nächstes Rad werd ich auch woanders kaufen. Ich bin mit dem IG-Fahrrad Shop in der Nähe vom Augarten sehr zufrieden. Kann ich aufjedenfall weiterempfehlen.

karl fluch
00

ich bin seit 95 dort immerwiederkunde, da war das bb-wort noch gar nicht erfunden. klar, dass in naschmarktnähe auch bbs das ciclopia frequentieren, aber ungeachtet dessen darf ich sagen, dass ich dort noch mit der banalsten kleinigkeit ernst genommen wurde. bin ein, zwei mal fremd gegangen u.s beim bike attack auf der praterstaße - das waren eher verarschungserfahrungen.

LG
flu

Kleiner Onkel
00
Komisch

Ich hab genau die umgekehrte Erfahrung gemacht. Schaltseil bei Ciclopia zum üblichen Preis bekommen. Außerdem gute Beratung auch wenn man nur eine Schraube braucht. Ich weiß schon, der Laden ist ein wenig chichi, aber ich kenn da einen auf der Praterstraße, die würdigen dich nicht mal eines Blicks wenn du nicht ein Rad jener einen ultimativen US Fahrradmarke kaufen willst. Ach ja, das Schaltseil war auf der Praterstraße dann fast doppelt so teuer als sonst. (Die Rede ist hier nicht von jenem alteingesessenen Rennradgeschäft, das gute Ware um gutes Geld feilbietet)

Günther Hase
 
00
Ich meine einen anderen Laden

Kleiner Betrieb der von einem sehr netten Ungarn (dem Akzent nach) geführt wird. Als ich nach einem billigen Sattel fragte, zauberte er ohne zu murren ein Teil für 7€ aus der Lade :)

Ciclopia ist sicher ok, aber für Leute, für die das Fahrrad nicht mehr ist als ein günstiges Fortbewegungsmittel, einfach zu teuer.

Sky Marshall Omar Anoke
00
29.3.2009, 21:04
Warum ist es unmöglich ...

jeweils eine ganze Gasse als Radweg ohne Autos zu sperren. Übrigens finde ich Autos, LKWs im täglichen Fahrradfahrerleben vieeel gefährlicher als Zigaretten, Feinstaub, Finanzkrise, Mörder, Kinderschänder, Polizisten, Österreicher - aber darum möchte sich niemand kümmern. Bringt kein Geld, im Gegenteil, Radfahren kostet sogar weniger.

zol ex
00
30.3.2009, 11:15

"Fahrradstraßen" gibt es z.B. in den Niederlanden, aber auch mancherorts in Deutschland. Motorisierter Verkehr wird dort in Ausnahmefällen zugelassen (z.B. Anrainer, Lieferungen, etc.). Nachdem sich in Österreich eine gute Zahl an Motorisierten schwer tun, Wohnstraßen und FuZos zu akzeptieren, Radfahranlagen und Fußwege nicht zu verparken, etc. sind Fahrradstraßen in Österreich "so halt" nicht möglich.

http://www.adfc.de/484_1

NegR h.c.
00
29.3.2009, 19:28

Radwege g'hören sowieso abgeschafft.

liebenfels
61
27.3.2009, 16:54
Was hat er für ein Prolem mit

Motorradfahrern auf der Busspur wo er doch so dünn ist?

Generell gehören Busspuren für Mtorräder geöffnet.

mortibus
02
25.3.2009, 12:22

Sehr viele Leute trauen sich nicht mit dem Rad fahren. Warum? Weil es lebensgefaehrlich ist. Niemand wuerde sein Kind mit dem Rad in die Schule schicken. Warum? Weil es hoechstwahrscheinlich nie ankommen wuerde. Daher fahren all diese Leute im Auto. Dadurch wird der Verkehr mehr, und radeln wird immer gefaehrlicher. Daher muss man eine gute, sichere Infrastruktur fuer Radler schaffen. Und die Leute auch mit anderen Massnahmen aufs Rad bringen: Einbahnen oeffnen, 30er-Zonen etcetcetc.

b fel
04
23.3.2009, 09:54

Wenn man ein paar Grundregeln beachtet (z.B. Autofahrer aus dem Vertrauensgrundsatz rausnehmen), dann ist Radfahren auch in Wien nicht so gefährlich

down by law
00
23.3.2009, 09:34
...Fluch against global warming.;-)..

...guter Ansatz Charly jedoch ohne Helm ist der etwas andere "Glasgow-Kiss" nicht weit!

Gruss,
herm

Spanky Ham
00
19.3.2009, 15:40

wie ist das: dürfen taxis generell auf busspuren fahren? nein, oder? gibt ja immer die zusatztafeln wer gerade darf. denn busspur burggasse ist, laut den schildern, für taxis nicht erlaubt. die gablenzgasse davor hingegen schon. aber erklär das mal einem taxler.

Symlink
00
22.3.2009, 19:30
Doch

Duerfen sie. Steht in der StVO § 53 (1) 24, "FAHRSTREIFEN FÜR OMNIBUSSE" (=>ris.bka.gv.at/bundesrecht/)

long hui
00
traurige Gewissheit

Ich habe mich schon länger gefragt, warum die Taxler so selbstverständlich die Busspur in der Burggasse benutzen, obwohl dort auf der Zusatztafel nur Radfahrer und Beh.transporte erlaubt sind. Dank "Ergates faber" habe ich es jetzt schriftlich.

Seit wann hat Hr. Fluch eigentlich so viele Haare wie auf dem Foto? Ich kenn ihn noch von früher (Anfang 90er) und da hatte er immer eine Kurzhaarfrisur – das sah eigentlich viel glatziger aus, als jetzt. Eigenhaartransplantation, Peppi oder Gedächtnisfehler?

Ergates faber
43
17.3.2009, 14:26
Im Gesetz steht, ich sei ein gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer.

Genau das sollten sich einige Radfahrer einprägen! Dies impliziert nämlich auch, daß sie sich an die StVO zu halten haben! Wenn ich einen Radfahrer in meiner Nähe fahren habe bin ich immer doppelt vorsichtig - weil sie in 50% der Fälle absolut unberechenbar sind.
Richtungsänderungen werden nicht angezeigt, rote Ampeln und Stopptafeln überfahren und der Vorrang oft ohne zu Schauen einfach erzwungen.
Ich sehe es noch immer nicht ein warum man als Autofahrer Mitschuld trägt wenn man einen Radfahrer abschießt, der von links mit 30 km/h ohne Schauen und Zögern in eine Kreuzung einfährt.
Ich bin übrigens auch Radfahrer - aber einer, der sich an die StVO hällt.
Und das Autotürenaufreißen betrifft nicht nur Radfahrer.

mortibus
01
25.3.2009, 12:19

Der Unterschied ist, dass bei einem Zusammentreffen von ruecksichtsosem Autofahrer und ruecksichtslosem Radfahrer immer, aber auch wirklich immer der Radfahrer verliert, verletzt oder tot. Das soll man schon auch immer im Hinterkopf haben.

Konradin
00
23.3.2009, 19:05

Die STVO wurde für Autos geschrieben. Für Radler ist es schlicht uninteressant, hunderte Meter um diverse Blocks zu fahren, nur weil der Breite der Autokarosserien wegen eine Einbahn geschaffen wurde. Die Straßenbreite darf ich auch nicht nutzen, weil dann - zumindest wenn ich aufwärts fahre - ich eine hupende Kolonne hinter mir habe. Die parkenden Autos neigen auch dazu mich zu übersehen.

Wennst mit dem Auto unterwegs bist, dann magst dich an die STVO halten. Als Radler bist nur der Tintinger.

Parkschwein
00
23.3.2009, 22:27

"Die STVO wurde für Autos geschrieben."
radfahrer kommen in der stvo aber schon vor, oder?
und wennst dich ned daran haltest, ist das deine sache. aber ned plärren wennst strafe zahlst oder dich wer schimpft deshalb, gell.

reservoir dog
00

doch nicht plärren, es erheitert den tag, das neidische schimpfen und hupen der autofahrer :D

Parkschwein
00

ich schimpf zwar normal nie und hupen tu ich auch nicht, aber natürlich sitz ich ganz neidisch in meinem billigen auto und würd viel lieber auf einem drahtesel in der stadt rumreiten ... klar.

reservoir dog
00

ich meinte auch den neid auf die freiheit des radfahrers. ich bin sicher schon tausendmal bei rot drübergfahrn, zahlt hab ich einmal 200 schilling :D

Parkschwein
00

wie gesagt, deine sache. ich bin der letzte der sich aufregt weil sich wer anderer nicht ans gesetz haltet. außer derjenige fährt ma über die füße, weil er zu dumm ist gesetze mit hirn zu brechen.

Michl52
00
23.3.2009, 19:24
Parkende Autos sehen genauso wenig

wie parkende Fahrräder.

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