"Unzählige" Anfragen und "frustrierte Mitarbeiter"

16. März 2009, 11:33
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Nach Ende der Inskriptionsfrist berichten Unis von "enormem" bürokratischen Mehraufwand durch die Neuregelung

Wien - An den meisten Universitäten ist die reguläre Inskriptionsfrist bereits zu Ende bzw. endet in den nächsten Tagen. Der große Ansturm von Studenten, die um Befreiung von Studiengebühren ansuchen, ist zwar bisher ausgeblieben. Dennoch beschert die neue Regelung den Unis viel Arbeit: Von "unzähligen" Anfragen und einem "enormen" bürokratischen Mehraufwand berichten die Hochschulen in einer Umfrage der APA. An vielen Hochschulen können die Studierenden noch bis zum 31. März Anträge auf Erlass der Gebühren stellen, an der Uni Wien sogar bis zum 30. April.

Sechsmonatige Frist

Eines vorweg: Eine finale Bilanz über die neuen Ausnahmebestimmungen bei den Studiengebühren kann erst im Herbst gezogen werden - sobald die sechsmonatige Frist abgelaufen ist, in der Studierende noch nachträglich einen Antrag auf Rückerstattung der bereits bezahlten Gebühren stellen können. Diese sechsmonatige Frist gilt ab Einzahlung des jeweiligen Studienbeitrags.

"Der bürokratische Aufwand ist enorm, für die Studierenden und für die Universität. Die Regelung ist sehr komplex und daher auch schwer kommunizierbar", heißt es zu den Neuregelungen von der Universität Wien. Die größte Hochschule des Landes hat zur Bewältigung des Mehraufwands kräftig das Personal aufgestockt. Derzeit sind rund zwölf Personen zusätzlich in diesem Bereich im Einsatz. "Gearbeitet wird mit einem Nummernsystem, die Spitzenwerte lagen zwischen 600 bis 1.000 Nummern pro Tag", berichtet Uni-Sprecherin Cornelia Blum. Dementsprechend verlängere sich auch der Parteienverkehr.

Als größtes Problem für die zügige Antragstellung zum Beitragserlass sieht der Leiter der Studienabteilung der Technischen Universität (TU) Wien, Wolfgang Pousek, die Beschaffung des Einkommenssteuerbescheids für die Gebührenbefreiung. Er sei "in vielen Fällen nicht rechtzeitig vom Finanzamt zu bekommen". An der TU Wien rechnet man nach Ablauf der sechsmonatigen Frist mit einer "vierstelligen Zahl als Summe der Anträge" - aufgrund des hohen Arbeitsaufwands aber auch mit "frustrierten, demotivierten Mitarbeitern".

In Innsbruck waren die Studierenden anfangs "sehr überrascht", dass der Studienbeitrag noch zu zahlen ist: "Sie waren überzeugt, diese wären abgeschafft worden", heißt es aus der Studienabteilung der Universität Innsbruck. Sie über die Voraussetzungen und Möglichkeiten für eine Befreiung aufzuklären, "war und ist eine große Herausforderung", so die Abteilungsleiterin Jasminka Katkic. "Unzählige telefonische Auskünfte, E-Mail-Anfragen und persönliche Beratungen" seit Inkrafttreten der geänderten Studienbeitragsverordnung seien "neben der 'normalen' Zulassungstätigkeit" mit dem bestehenden Personal zu bewältigen.

Tausend E-Mail-Anfragen

An der Uni Linz sind von den knapp 14.000 Studierenden rund 5.000 aufgrund der Überschreitung der Mindeststudiendauer plus zwei Semester studienbeitragspflichtig. Man rechnet mit etwa 80 Prozent, die einen Antrag auf Erlass bzw. Rückerstattung stellen. "Bisher haben wir über 1.000 E-Mail-Anfragen zum Thema Studienbeitrag bearbeitet - im Vergleichszeitraum 2008 waren es knapp 300", heißt es aus der Uni Linz. Bisher wurden mehr als 600 Erlassanträge gestellt.

"Das größte Problem ist, dass die Studienbeitragsregelung sehr rasch umzusetzen und daher relativ wenig Zeit war, die notwendigen Informationen rechtzeitig für die Studierenden zur Verfügung zu stellen und die technischen Systeme anzupassen", so Angelika Wöran von der Uni Linz. Vor allem bei den Nachbesserungen in der Studienbeitragsverordnung sei der Informationsfluss seitens des Wissenschaftsministeriums "eher schleppend passiert" und die Unis erfuhren Neuerungen "durch die Medien".

Personal aufgestockt

An der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien haben von den insgesamt rund 23.000 Studierenden etwa 2.600 Studenten (aus EU, EWR und der Schweiz) eine Vorschreibung für Studiengebühren erhalten. Die WU rechnet damit, dass 80 bis 90 Prozent davon Anspruch auf Erlass der Gebühren geltend machen werden. Um den Aufwand dafür zu bewältigen, wurde das Personal aufgestockt.

Weniger turbulent als erwartet geht es in puncto Studienbeitragsbefreiung an den Studienabteilungen der großen steirischen Unis zu. An der Universität Graz, die 7.500 Erlagscheine verschickt hat, lagen bisher 500 Anträge auf Befreiung vor. Täglich kämen rund 50 hinzu, heißt es vonseiten der Pressestelle. Drei Viertel der Anträge wurden binnen weniger Tage für die Studierenden positiv erledigt. Der Erlassungsgrund war in den meisten Fällen Erwerbstätigkeit oder Kindererziehung.

Warten auf Steuererklärung

Viele Studierende würden wohl noch auf entsprechende Steuererklärungen vom Finanzamt warten, vermutet Uni-Sprecher Andreas Schweiger den moderaten Andrang. Er rechnet damit, dass es zu Ende der Halbjahresfrist noch einen Schwall an Rückzahlungsanträgen geben wird. Die Studierenden würden auf Nummer sicher gehen und zuerst einmal den Studienbeitrag einzahlen, dann besorgen sie die für die Rückzahlung erforderlichen Unterlagen, nimmt Schweiger an.

An der TU Graz mit insgesamt 10.000 Studierenden sind bis Anfang der vergangenen Woche rund 400 Anträge auf Befreiung eingegangen. Laut Pressesprecherin Alice Senarclens de Grancy sind in den vergangenen Tagen vermehrt Anträge eingelangt. Sie können bis zum 31. März gestellt werden. Die Absolutzahl der Anträge allein sei nicht aussagekräftig im Bezug auf den zusätzlichen Aufwand, so de Grancy. Der sei im Herbst abzuschätzen. Die Medizinuniversität Graz (rund 4.250 Studierende) hat bis Anfang vergangener Woche erst 40 Anträge auf Befreiung entgegengenommen. 900 Erlagscheine wurden ausgesandt.

Zur Prüfung der Anträge auf Befreiung wurden an den beiden großen Grazer Unis jeweils fünf zusätzliche Personen für die Zeit der Zulassungsfrist aufgenommen. Die Kunstuniversität und die Medizinische Universität haben ihr Personal nicht aufgestockt. An der Montanuniversität Leoben wurden im Studienreferat die Parteienverkehrszeiten um vier Stunden pro Woche ausgeweitet. Dort gab es zur Halbzeit der Inskriptionsfrist rund 170 Anträge von 890 Studierenden, die mehr als zwei Semester im Verzug sind.(APA)

  • Die Neuregelung sorgt nicht nur bei Studierenden für Warteschlangen, sondern auch für viel Aufwand beim Uni-Personal.
    foto: standard/urban

    Die Neuregelung sorgt nicht nur bei Studierenden für Warteschlangen, sondern auch für viel Aufwand beim Uni-Personal.

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