Ravalomanana will "bis zum Tod" kämpfen

17. März 2009, 07:20
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Präsident verschanzte sich mit loyalen Truppen - Armee auf Seite von Oppositionsführer Rajoelina - mit Video

Antananarivo - Antananarivo (APA/ag.) - Auf Madagaskar haben am Montag mehrere Dutzend Soldaten den Amtssitz des Präsidenten Marc Ravalomanana besetzt. Die Armee hat sich im erbitterten Machtkampf auf die Seite von Oppositionsführer Andry Rajoelina gestellt. Ravalomanana hat sich mit loyalen Truppen im zwölf Kilometer von der Residenz entfernten Präsidentenpalast verschanzt und kündigte über einen Sprecher einen Kampf "bis zum Tod" an.

"Wir haben seinen Amtssitz gestürmt, um den Abgang von Ravalomanana zu beschleunigen", sagte der neue Generalstabschef André Andriarijaona am Montagabend. Zuvor warenrund hundert Soldaten mit gepanzerten Fahrzeugen in den Gebäudekomplex in der Hauptstadt Antananarivo eingedrungen. Auf die Frage, ob die Armee auch den Präsidentenpalast stürmen werde, in den sich Ravalomanana bereits zuvor geflüchtet hatte, sagte Andriarijaona: "Wir sind gegen Blutvergießen und werden dort nicht hingehen, solange wir nicht wissen, wie sich die Präsidentengarde verhält."

Festnahme gefordert

Oppositionsführer Andry Rajoelina hatte zuvor von den Sicherheitskräften verlangt, Ravalomanana wegen Hochverrats festzunehmen. Die Sicherheitskräfte sollten einen entsprechenden Befehl der Justizministerin der von ihm eingesetzten Übergangsregierung ausführen, forderte er am Montag vor Tausenden Anhängern in der Hauptstadt Antananarivo. Der madegassische Polizeichef Gilbain Pily sagte, er sei über den Haftbefehl noch nicht informiert worden.

Rajoelina und Ravalomanana liefern sich seit Mitte Dezember einen Kampf um die Macht in dem Inselstaat im Indischen Ozean. Seither kamen bei den Unruhen in Madagaskar mehr als hundert Menschen ums Leben. Rajoelina, ehemaliger Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo, wirft der Regierung vor, die Schätze des Landes an ausländische Firmen zu verschleudern.

Appell der AU

Die Afrikanische Union richtete am Montag einen Appell an die Opposition und die Armee in Madagaskar, auf jegliche widerrechtliche Machtübernahme zu verzichten. "Wenn die Opposition die Macht ergreifen will, ohne die rechtlichen und verfassungsgemäßen Verpflichtungen zu erfüllen, wird das ein Staatsstreich und wir werden das verurteilen", sagte der amtierende Präsident des AU-Rats für Frieden und Sicherheit, Benins AU-Botschafter Eduard Aho-Glélé, nach einer fünfstündigen Sitzung in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba.

Indes warnte die EU in Brüssel vor einer gewaltsamen Machtübernahme auf der Tropeninsel. "Wenn ein neuer Staats- oder Regierungschef mit einem Gewaltakt ins Amt gehoben wird gegen die Vorgaben der Verfassung, ist das natürlich ein Akt der Gewalt", sagte der Vorsitzende der EU-Außenminister, Tschechiens Ressortchef Karel Schwarzenberg, am Montag. "Eine solche Person wird von uns natürlich nicht als Gesprächspartner anerkannt." EU-Chefdiplomat Javier Solana ergänzte, die Union beobachte die Lage genau. Die EU werde in angemessener Weise reagieren.

Machtkampf

Rajoelina und Ravalomanana liefern sich seit Mitte Dezember einen Machtkampf, bei dem mehr als hundert Menschen ums Leben kamen. Rajoelina wirft der Regierung vor, die Schätze des Landes an ausländische Firmen zu verschleudern. Der 34-Jährige, ein ehemaliger Discjockey und bis vor kurzem Bürgermeister von Antananarivo, wirft Ravalomanana vor, autokratisch zu regieren und den Inselstaat wie eine Privatfirma zu führen. Vor allem die Unzufriedenheit über die Armut auf Madagaskar hat ihn populär gemacht. Dagegen beschuldigen die Anhänger des Präsidenten Rajoelina, als Unruhestifter illegal an die Macht gelangen zu wollen.

In früheren Konflikten der 1960 von Frankreich unabhängig gewordenen Inselrepublik war die Armee traditionell neutral geblieben. Doch am Montag erklärte die Armee, 99 Prozent der Soldaten stünden hinter Rajoelina.

Rajoelina hatte am Montag die Sicherheitskräfte angewiesen, Ravalomanana festzunehmen. Der Präsident beharrt darauf, sein Amt nur nach demokratischen Regeln aufzugeben. Am Sonntag hatte er zur Überwindung der Krise ein Referendum angeboten. Die Afrikanische Union (AU) rief die Bevölkerung auf, die Verfassung zu achten. "Wir verurteilen den Putschversuch", erklärte die AU.

Madagaskar liegt im Indischen Ozean vor der Südostküste Afrikas. Die Tourismus-Industrie der Insel leidet unter der Krise, die auch von Investoren der Bergbau- und Ölindustrie mit großer Aufmerksamkeit verfolg wird. (APA/dpa/Reuters)

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