Slowenen kaufen Autozulieferer Eybl

16. März 2009, 18:14
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Die Gläubiger haben den Ausgleich angenommen, Eybl Austria geht an die Prevent-Gruppe, die Fabriken in Krems und Gmünd sind gesichert

Wien - Für das niederösterreichische Zulieferunternehmen Eybl gibt es ein Leben nach der Insolvenz: Am Montag haben die Gläubiger den Ausgleich über die börsenotierte Eybl International und die Österreich-Tochter Eybl Austria angenommen. Eine Zwischenfinanzierung kommt vom neuen Eigentümer, der slowenischen Gruppe Prevent.

Die Prevent-Gruppe mit der Zentrale in Slovenj Gradec ist ein global agierendes Unternehmen in der Automobilindustrie.

An 35 Standorten werden insgesamt gut 10.000 Mitarbeiter beschäftigt. Das Produktportfolio reicht von Autositzbezügen über Spritzgussbauteile bis zu einer der modernsten Ledergerbereien Europas. Die Deutschland-Zentrale von Prevent befindet sich in der VW-Stadt Wolfsburg.

Die Verträge mit Prevent sollen noch im März unterschrieben werden. Eybl-Vorstandschef Otto Zwanzigleitner geht laut Austria Presseagentur davon aus, dass die Unterschrift unter die Übernahmeverträge "zeitnah", in den nächsten Tagen, erfolgen kann. Nicht nur Eybl Austria, auch die anderen Landesgesellschaften sollen an Prevent verkauft werden.

Standorte gesichert

Die österreichischen Eybl-Standorte in Krems und Gmünd sollen auch unter der neuen Eigentümerschaft bestehen bleiben: Mit Prevent werde an einer Standortgarantie für die beiden Werke gearbeitet, sagte Zwanzigleitner. Die Marke "Eybl" bleibe erhalten.

Der Konzern kommt bei Eybl nun im zweiten Anlauf zum Zug. Im Dezember, noch vor der Insolvenz, waren erste Verhandlungen zunächst gescheitert.

Am kommenden 7. April ist bei der börsenotierten Eybl International eine Sonderhauptversammlung anberaumt. Da soll die Abspaltung und Veräußerung des operativen Geschäfts dann formal beschlossen werden.

Die Eybl-Gruppe, die Anfang des Winters noch gut 4000 Mitarbeiter beschäftigt hat, musste den Sparkurs nochmals verschärfen und hat in den vergangenen Monaten massiv Personal abgebaut. Derzeit zählt die Gruppe nur noch 2500 Beschäftigte. In Österreich arbeiten mit rund 360 Mitarbeitern jetzt 166 weniger als vor Beginn der jüngsten Kündigungswelle.

Rumänien operativ stabil

Prevent hat im Zuge des Ausgleichsverfahrens schon 100 Prozent an der "Eybl Slovakia s.r.o." übernommen. Das ungarische Eybl-Werk ist in Insolvenz, da geht es vorerst um eine Weiterführung über eine ungarische Auffanggesellschaft. Der Standort Rumänien, bis vor kurzem noch Sorgenkind, habe sich inzwischen zu einem "operativ stabilen Produktionswerk" entwickelt, sagt die Eybl-Führung.

Nach Angaben von Zwanzigleitner war es in der sich verschärfenden Automobilkrise nicht mehr möglich, alleine die nötige Liquidität sicherzustellen. Weil trotz des enorm schwierigen Umfelds der Ausgleich gelang, würden viele Arbeitsplätze in Österreich erhalten. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 17.3.2009)

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    Die Produktion an der Webmaschine bei Eybl geht weiter. Die global aufgestellte Prevent-Gruppe steigt beim niederösterreichischen Autozulieferer ein, die Marke Eybl bleibt erhalten.

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