Ermittlungsverfahren gegen Vater eingeleitet

16. März 2009, 16:05
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Freiwilliger Unterricht für Schüler von Winnenden - Noch vier Verletzte in Krankenhäusern

Winnenden - Nach dem Amoklauf von Winnenden ist gegen den Vater des 17-jährigen Täters ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet worden. Der Vater hatte 4.600 Schuss Munition zu Hause gelagert und die großkalibrige Tatwaffe vorschriftswidrig im Schlafzimmer aufbewahrt - und nicht im Tresor wie seine anderen 14 Waffen.

Die Schüler der Albertville-Realschule haben erste vorsichtige Schritte in die Normalität gemacht. Rund 90 Prozent der etwa 580 Kinder und Jugendlichen kamen am Montag in ihren jeweiligen Klassenstufen zusammen, wie der Leitende Schulamtsdirektor Wolfgang Schiele sagte. Ab nächster Woche sollen sie dann wieder in ihre Klassenverbände zurückkehren. Die Schüler wurden mit Bussen in Gemeindezentren in der Stadt und umliegenden Orten gebracht.

Nach dem Massaker mit 16 Toten und elf Verletzten wurden laut Polizeisprecher Klaus Hinderer am Montag noch immer zwei Schülerinnen und eine Polizistin und ein Polizist mit schweren Verletzungen stationär im Krankenhaus behandelt. Nach einer ersten Beisetzung am Samstag sind für die nächsten Tage nach diesen Angaben weitere Beerdigungen vorgesehen. Nach Informationen der Polizei sollen alle Opfer von Tim K. noch vor der Zentralen Trauerfeier mit Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag beigesetzt sein. Wann und wo der Attentäter selbst beigesetzt werden soll, war zunächst nicht bekannt. Seine Eltern und wohl auch seine jüngere Schwester waren am Montag weiter an einem auch für die Polizei unbekannten Ort, wie Hinderer sagte. Der Kontakt zu der Familie werde über ihren Anwalt gehalten.

Nicht äußern wollte sich der Sprecher zu einem Zeitungsbericht, wonach nach Angaben des Schützenvereins SSV Leutenbach Tim K. nur ein einziges Mal, und zwar im Oktober 2008, in der Anlage mit einer Pistole geschossen habe. Die "Stuttgarter Nachrichten" berichteten unter Berufung auf den Vereinsvorsitzenden Detlef Lindacher, dies sei auch vorschriftsmäßig im Schießbuch notiert worden. Eine weitere Schießübung drei Wochen vor dem Amoklauf sei nicht eingetragen worden.

Reaktion

Als Reaktion auf den Amoklauf wurde am Montag verstärkt die Situation der Lehrer diskutiert. Der Philologenverband setzte sich für eine bessere Lehrerbezahlung oder eine Gefahrenzulage ein. Der Vorsitzende Heinz-Peter Meidinger sagte der "Bild"-Zeitung: "Der Amoklauf hat erneut gezeigt, dass Lehrer in ihrem Beruf immer öfter zum Hassobjekt werden. Man könnte jetzt über eine Art Gefahrenzulage nachdenken." Zumindest müssten Lehrer finanziell bessergestellt werden. Während die CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche im selben Blatt Sympathien für die Position zeigte, sprach die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) von einer "unangemessenen, peinlichen Reaktion" auf den Amoklauf, bei dem auch drei Lehrerinnen erschossen worden waren.

Auch in der deutschen Politik geht die Debatte um die Konsequenzen nach dem Amoklauf weiter: Während sich Bundeskanzlerin Merkel für schärfere Kontrollen von Waffenbesitzern stark machte, nannte die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth, diesen Vorschlag unzureichend. "Abrüstung und Entwaffnung!", forderte sie in der Fernsehsendung "MDR aktuell".(APA/AP)

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