Das Unterhaus und die schwarzen Löwen

15. März 2009, 19:32
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Wiener Fußballverband dreht für Asylwerber-Mannschaften sein Reglement um

Wien - Mehr als 40 Fußballvereine, die von ethnischen oder religiösen Minderheiten organisiert werden, spielen in Österreich regulär Meisterschaft. Ein Großteil dieser Vereine wirkt im Wiener Unterhaus bis hin zur Oberliga, also der fünften Leistungsstufe nach der zweigeteilten Bundesliga, der Regionalliga und der Wiener Stadtliga. In Letzterer ist mit dem Slovan-HAC ein im Jänner 1902 von tschechischen Zuwanderern gegründeter Klub engagiert.

Deutlich darunter, in der 1. Klasse B, findet sich in der 1972 gegründeten Egypt United Austria der derzeit höchstklassige Verein mit überwiegend aus Afrika stammenden Spielern, wobei rund die Hälfte des Kaders die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt.

In der 2. Klasse A, also eine Leistungsstufe über der New African Football Academy (Nafa), spielt die Mannschaft des FC Sans Papiers, die Bunten, wie sich selbst nennt. Für sie wie auch für die Nafa dreht der Wiener Verband einen Punkt des Reglements um. Sie dürfen mit elf Ausländern spielen, dafür aber nur maximal drei österreichische Staatsbürger einsetzen.

Mit fußballspielenden Asylwerbern aus Afrika beschäftigt sich der im Mai 2008 vom ORF ausgestrahlte TV-Film "Der schwarze Löwe", dessen Geschichte - ein niederösterreichischer Unterhausverein setzt von der Abschiebung bedrohte Afrikaner ein - auf wahren Begebenheiten beruht. Im Jahr davor gewannen die Filmvorbilder, die Mannschaft "Black Pearls" aus dem Flüchtlingslager Traiskirchen, die einmal ausgespielte Meisterschaft der African Football League in Wien.

2008 beantragten insgesamt 1877 Afrikaner Asyl in Österreich. Antragsstärkste Nation war Nigeria (535). Im selben Jahr rechtskräftig positiv erledigt wurden inklusive älterer Fälle 267 Anträge von Afrikanern. Rechtskräftig negativ endeten 1266 Verfahren. (lü, DER STANDARD Printausgabe 16.3.2009)

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