Schön abstoßend

15. März 2009, 18:50
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Ekel und Faszination sind enge Nachbarn - Der "sensible Feingeist" auf der Höhe seiner niederen Kunst

Ekel und Faszination sind enge Nachbarn. Das Abstoßende hat immer auch etwas Anziehendes. Darum ist man als schwacher Mensch für mit diesem Umstand spielende TV-Formate ein leichtes Opfer. Und: Womit soll man denn sonst die Zeit zwischen der "ZiB 1" und dem Hauptabendprogramm überbrücken? Also wird "Hi Society" auf ATV geschaut.

Langjährige Beobachter des Treibens von Dominic Heinzl konnten feststellen, dass sich dessen Beziehung zu einem Fixstern in seiner Welt zuletzt dramatisch verändert hat. Mausi Lugner, einst Ehefrau des Wiener Baumeisters und als Hauptdarstellerinnen in "Die Lugners" sogar vom selben Sender wie Heinzl bezahlt, wird von diesem mit reichlich Häme überzogen.

Stoff und Anlässe dafür bietet ihm die Dame mit dem Nagetier-Alias reichlich. Letztens berichtete Heinzl über eine "Dschungel-Party" in einer St. Pöltner Disco, bei der jugendliche Besucher sich eine späte Jause mit Skorpionen, Maden und Kakerlaken gönnten. Für höchstes Niveau garantierte dabei Mausi Lugner. Apropos höchstes Niveau: Neuerdings verhöhnt Heinzl seine Klientel nicht nur selbst, er beschäftigt dafür auch den von der Kronen Zeitung bekannten Michael Jeannée.

Wie für die Krone verfasst dieser bekannt uneitle, sensible Feingeist nun auch für "Hi Society" Briefe an Menschen des öffentlichen Lebens. Also wurde Mausi Adressatin einer dieser nicht sehr herzlichen Botschaften Jeannées, in der er ihr auf der Höhe seiner niederen Kunst ausrichten ließ, wie verachtenswert ihr Tun doch sei.

Wohl wahr! Allein - ob ausgerechnet Jeannée mit der Glaubwürdigkeit ausgestattet ist, um dem Guten, Wahren und Schönen das Wort zu reden? Schön abstoßend ist es allemal. (Karl Fluch/DER STANDARD; Printausgabe, 16.3.2009)

  • Michael Jeannée.
    foto: standard/corn

    Michael Jeannée.

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