New York und Boston von steigendem Meeresspiegel bedroht

16. März 2009, 12:57
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Zwei neue Studien: Nordostküste der USA besonders stark betroffen - Nordpolarmeer könnte schon zur Jahrhundertwende eisfrei werden

Washington - Ein Anstieg des Meeresspiegels aufgrund der globalen Erwärmung bedroht nach einer neuen Studie auch New York und Boston. Anhand neuer Computermodelle sagten Wissenschafter voraus, dass die Folgen für die Nordostküste der USA noch drastischer ausfallen würden als in anderen Regionen. Denn dort soll der Meeresspiegel aufgrund von Änderungen der Meeresströmungen noch einmal um 20 Zentimeter zusätzlich steigen.

Infrastruktur gefährdet

Die Studie wurde am Sonntag in der Online-Ausgabe des Magazins "Nature Geoscience" veröffentlicht. Der Wissenschaftler Jianjun Yin von der Universität Florida erklärte, die Ozeane würden nicht überall in gleichem Maß ansteigen. Im Nordosten der USA werde der Anstieg "größer und schneller" sein. Eine der am schwersten betroffenen Städte werde Boston sein.

Der Klimaexperte Donald Boesch von der Universität Maryland, der nicht an der Studie beteiligt war, erklärte, 20 Zentimeter zusätzlich zu dem weltweit erwarteten Meeresanstieg von 60 bis 90 Zentimetern bis zum Jahr 2100 sei eine Menge, besonders wenn Hurrikane und andere Stürme ins Spiel kämen. Es sei keineswegs so, dass es dabei nur um einige gefährdete Häuser an der Küste oder um Feuchtgebiete gehe, sagte er: "Dieser Anstieg der Meereshöhe zusätzlich zu den Sturmbrandungen, die wir heutzutage erleben, gefährdet viel Infrastruktur, darunter auch die New Yorker U-Bahn."

Eisfreies Polarmeer

Ebenfalls in "Nature Geoscience" veröffentlichte Julien Boe von der Universität von Kalifornien in Los Angeles seine Ergebnisse über das Abschmelzen der Eisflächen im arktischen Ozean. Boe und seine Mitarbeiter untersuchten eine Reihe von Simulationen der Eisfläche auf der Basis von 18 verschiedenen Klimamodellen. Dabei fanden die Forscher eine gute Übereinstimmung mit dem beobachteten Rückgang des arktischen Meereises. Von 1979 bis 2006 habe sich das Eis im Nordpolargebiet bereits um fast 25 Prozent verringert. Gemessen wurde jeweils im September, denn die Eisfläche der Arktis schwankt natürlicherweise im Jahresverlauf - die Tiefpunkte liegen jeweils im September..

Unter zusätzlicher Berücksichtigung neuer Satellitendaten zieht Boe den Schluss, dass schon am Ende des Jahrhunderts mit dem vollständigen Verlust des Eises im Polarmeer im September gerechnet werden muss. Bisherige Berechnungen hätten die Geschwindigkeit, mit der das Eis verschwindet, deutlich unterschätzt, schreibt der Wissenschafter. (APA/dpa/red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Skyline von Boston von der Massachusetts Bay aus gesehen

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