OPEC: Verschreckte Scheichs

15. März 2009, 18:26
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Vor wenigen Monaten waren sie noch die Kings, jetzt hat auch bei den Ölscheichs das Jammern begonnen

Noch vor wenigen Monaten waren sie die Kings, bewundert von den einen, gefürchtet und gehasst von den anderen. Die Ölscheichs ritten auf einer Erfolgswelle, zu der sie nichts beigetragen hatten. Die in die Höhe geschnellten Rohölpreise sind ihnen passiert, weil die Weltkonjunktur auf vollen Touren lief und insbesondere China und Indien einen schier unstillbaren Durst nach Rohöl zu haben schienen. Die Folge war ein Zufluss an Petrodollars, wie ihn die Produzentenländer noch nie gesehen hatten.

Ein Wirtschaftscrash und Dutzende Krisengipfel später hat nun auch im Nahen Osten, in Afrika und wo sonst noch Öl gefördert wird, das große Jammern begonnen. Binnen weniger Monate ist der Preis für das schwarze Gold auf knapp ein Drittel des im Vorjahr erreichten Rekordniveaus von 147 Dollar gefallen. Die Industrieproduktion sinkt, parallel dazu nimmt der Bedarf an Rohöl ab. Das ist in den USA so und in Europa, China und Indien nicht viel anders. Jetzt kommt hinzu, dass mit dem bevorstehenden Ende der Heizperiode auf der Nordhalbkugel der Verbrauch nochmals sinkt.

Nun geht die Angst vor sozialen Unruhen um, weil der Staatshaushalt im Iran, in Venezuela und anderen Ländern des Kartells wegen des dünneren Einnahmenstroms zu krachen droht. Die Scheichs sind aufgeschreckt. Sie haben im Moment keinen Hebel, die Preise zu bewegen. Ihnen bleibt nur das Prinzip Hoffnung: dass die Weltkonjunktur möglichst bald wieder anspringt. Dann wird auch der Bedarf an Rohöl wieder steigen. Und auch der Preis. (Günther Strobl,DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.3.2009)

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