Madagaskar: DJ gegen den Rest der Welt

15. März 2009, 18:15
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Für eine verfassungsmäßige Lösung der Krise scheint es zu spät - Von Marc Engelhardt

Wenn es das Ziel von Andry Rajoelina war, Madagaskar zu spalten, dann hat er es fast geschafft. Seit der 34-jährige Ex-DJ sich Ende Jänner selbst zum Präsidenten ernannt hat, geht es bergab in der bettelarmen Inselrepublik. Rajoelina hat zudem bisher die wenigen Chancen verstreichen lassen, den im Volk unbeliebten Präsidenten Marc Ravalomanana, eine Art afrikanischen Berlusconi, abzulösen. Das ist gut so, denn im Gegensatz zu Rajoelina ist Ravalomanana demokratisch gewählt und zeigt mit seiner Ankündigung, eine Volksabstimmung über die Machtfrage anzusetzen, seinen Respekt für die Verfassung.

Doch für eine verfassungsmäßige Lösung scheint es zu spät. Längst sind es nicht mehr die Politiker, die entscheiden werden, wie es weitergeht. Zwei verfeindete Armeeführer sammeln bereits seit Tagen ihre Truppen. Weil noch keiner sicher ist, die Mehrheit hinter sich zu haben, ist der Bürgerkrieg bisher ausgeblieben. Doch das kann sich schnell ändern. Die meuternden Truppen auf Rajoelinas Seite haben bereits Panzer in die Hauptstadt gefahren.

Und dass der inzwischen sechste internationale Vermittler, ähnlich unprofiliert wie seine Vorgänger, die Krise beendet, ist unwahrscheinlich. Frankreich, das Rajoelina unterstützt und ihm zuletzt sogar Asyl in seiner Botschaft gewährte, scheint es auf die Eskalation ankommen zu lassen. Die Zivilbevölkerung wünscht sich nur eine schnelle Rückkehr zur Normalität. Denn der Zusammenbruch aller wichtigen Wirtschaftssektoren hat das Überleben in einem der ärmsten Länder der Welt fast unmöglich gemacht. (Marc Engelhardt/DER STANDARD, Printausgabe, 16.03.2009)

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