E-Voting bei ÖH-Wahl: Das kleinere Risiko wählen

15. März 2009, 17:44
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Ein Sicherheits-Restrisiko wird bleiben - Ungleich größer ist aber das Risiko, dass noch weniger Studenten als bisher überhaupt ihre Stimme abgeben - von Andrea Heigl

Für Vorlesungen anmelden, Seminararbeiten abgeben, Zeugnisse ausdrucken - all das funktioniert im Studentenleben längst elektronisch. Nun also auch das Wählen: Im Mai können die Studierenden per Mausklick ihre Stimme abgeben, wenn die Bundesvertretung der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) gewählt wird.

Vehementer Widerstand kommt ausgerechnet von der ÖH. Die Studierendenvertreter wollen keine Versuchskaninchen sein, und sie fürchten um die freie und geheime Wahl. Dass es schon bislang Hürden im ÖH-Wahlsystem gab, die mit dem E-Voting aus dem Weg geräumt werden, ignorieren dessen Gegner dabei geflissentlich. Bisher musste jeder Studierende an einem der drei Wahltage an die Uni kommen. Für immer mehr Studenten ist das schlicht unmöglich: für Berufstätige, für Fernstudenten, für jene, die sich gerade im Ausland befinden.

Während sich nahezu alle Fraktionen der ÖH (mehr oder weniger vehement) gegen das E-Voting wehren, sind satte 85 Prozent der Studierenden dafür. Es wird also an der studentischen Basis vorbeiagiert, anstatt pragmatisch an die Sache heranzugehen und die Chance wahrzunehmen, die Studierenden näher an die ÖH zu bringen. Ein Sicherheits-Restrisiko wird bei der elektronischen Stimmabgabe bleiben. Ungleich größer ist aber das Risiko, dass noch weniger Studenten als bisher (2007 ging knapp ein Drittel zur Wahl) überhaupt ihre Stimme abgeben - und damit die Hochschülerschaft bedeutungslos wird. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 16.3.2009)

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